Willkommen in Rabenstein!  

Dem "Ort im Grünen" am Stadtrand von Chemnitz

Wehrwolf

Sagen, Legenden und kleine Geschichten um unsere Heimat

Junger Rabe

In uralter Zeit lebte an der Mulde, wo sich heute die stolze Rochsburg erhebt ein germanischer Jüngling. Er wurde „Rabe“ oder „Junger Rabe“ genannt, bei den germanischen Stämmen war es nicht unüblich, seinen Kindern Tiernamen zu geben. Er war bei allen beliebt, kräftig und klugGoldenes-Kreuz-vom-Totenstein

Doch dann geschah es, er der „junge Rabe“ schlug im Streit einen anderen Jungen nieder. In der Meinung, dass dieser tot sei floh er. Tagelang irrte er in den unermesslichen Wäldern, welche unsere Gegend in jener Zeit überzogen, umher. Das Quellwasser stillte seinen Durst, die Eier der Vögel und die Früchte und Wurzeln des Waldes seinen Hunger.  

So kam er auf die Höhe des Totensteins. In der Totensteinhöhle legte er sich auf Moos und Laub zum Schlafen nieder. Da weckte ihn plötzlich ein Stimmengewirr und Lichterschein. Im hinteren Teil der Höhle sah er einige Fremde die beim brennenden Kienspan ein goldenes Kreuz bewunderten, das der eine von ihnen in der Hand hielt. Im Nu hatte der „Junge Rabe“ die Lage erfasst, wusste das müssen Räuber sein. Mit seinen starken Armen entriss er dem Dieb die Beute. Die Räuber nahmen Reisaus.

Bei ersten Morgengrauen verließ er den unheimlichen Ort mit dem erbeuteten Schatz. Er wandte sich nach Osten. Am Waldrande traf er auf einen Mönch, der einsam unter einer Linde saß.    Dieser erzählte ihm, dass kostbare Kreuz sei aus dem neugegründeten Meisner Dome, von gemeinen Räuber geraubt worden und eine Hohe Belohnung erwarte denjenigen der es zurückbringe. „Junger Rabe“ brachte das wertvolle Kreuz zurück. Da wurde ihm sein Vergehen vergeben, zumal jener totgeglaubte Junge mit dem Leben davon gekommen war.

In der Nähe der Linde, bei der er den Mönch getroffen hatte, erbaute sich „Junger Rabe“ eine Holzburg. Seine Enkel und Urenkel bauten später an dieser Stelle eine mächtige Burg und nannten sie nach dem Ahnen ihres Geschlechts „Rabenstein“.

Die Weiße Frau von Rabenstein

Es war zur Zeit der großen Kreuzzüge. Viele gläubige Ritter zogen damals in ihren glänzenden Rüstungen auf gepanzerten Pferden ins ferne Morgenland, um mit dem Schwerte in der starken Faust den verhassten Heiden die Herrschaft über Jerusalem und das ganze Heilige Land zu entreißen.Max-Barthel-Weiße-Frau-von-Rabenstein

Aber auch böse finstere Raubritter gab es damals in den deutschen Landen. Durch eigene Faulheit und ständigen Krieg mit den Rittern ihrer Nachbarschaft waren sie verarmt. Ihre Felder lagen brach. Ihr Vieh war verwahrlost. Das, was sie zum Leben auf ihren Raubritterburgen brauchten, verschafften sie sich dadurch, daß sie Kaufleute, die auf großen Wagen die Waren ferner Länder nach ihrer Heimatstadt bringen wollten, überfielen, beraubten und töteten oder gefangen nahmen.

Genau um diese Zeit wohnte auf der Burg Rabenstein ein Ritter mit Frau und Dienerschaft. Er hatte eine einzige Tochter. Sie war der Stolz und die Freude aller. Glockenhell klang ihr Lachen durch die Burg und den Park. Und keine Schönere gab’s im ganzen Lande als das Burgfräulein von Rabenstein. Von weit und breit kamen die jungen Ritter und begehrten sie zur Gemahlin.

Zwei Ritter betrieben ihre Bewerbungen besonders eifrig. Das waren die Herren von Waldenburg und von Neukirchen . Von dem Neukirchener mochte das Burgfräulein nichts wissen. Er war ein aufbrausender, jähzorniger Mann Ein Gerücht erzählte sogar von ihm, daß er bisweilen auf nächtliche Raubzüge gänge und harmlose Handelsleute überfiehle. Da er jedoch oft mit dem Rabensteiner Ritter ausgiebig feierte und trank, hätte dieser ihn ganz gern als Schwiegersohn gesehen. Die schöne Rabensteinerin aber liebte den Waldenburger Ritter von ganzem Herzen , freilich gegen den ausdrücklichen Willen ihres Vaters. Nachdem aber einiges über das Nächtliche treiben des Neukirchners zu Tage gekommen war. gelang es Mutter und Tochter mit vereinten Bitten, seinen Widerstand zu brechen.

Der ehrliche Burgherr von Rabenstein machte seinem Trinkkumpane gegenüber auch gar kein Hehl aus seiner veränderten Meinung.Da kannte die Wut des Neukirchners keine Grenzen. Er schwor Rache. Auf gemeine, hinterlistige Weise bemächtigte es sich des Waldenburgers, ließ ihn auf seine Neukirchner Burg schleppen, ins Burgverließ werfen und dort jämmerlich umkommen. Aber sein Rachedurst war noch nicht gestillt. Mit all seinen Räubergesindel brach er von Neukirchen auf und rückte nach Rabenstein, um die Burg zu belagern.

Dort sah es jetzt nicht mehr aus wie zu Beginn unserer Erzählung: Das schöne Burgfräulein hatte das Lachen gänzlich verlernt. Es weinte sich die Äuglein rot, nicht nur um ihren Geliebten. Auch die Schlossherrin, ihre Mutter war gestorben. Die Sorge um die Zukunft ihrer einzigen Tochter, der Gram über die häufigen harten Worte ihres Mannes, und über das grausame Schicksal des Waldenburger Ritters hatten sie ins Grab gebracht. Sie lag schon einige Wochen unter dem grünen Rasen, nahe der alten Burgkapelle dort, wo heute die Mondscheinlinde steht. Das arme verwaiste Burgfräulein aß und trank nichtmehr. Es saß von früh bis abends am Grabe der Mutter und weinte.
Da - der Turmwächter stößt ins Horn: Feinde!" Feinde!" Kommandorufe erklingen, und die Ketten der Zugbrücke rasseln. Die Brücke wird hochgezogen. Da schwirren auch schon die ersten Pfeile durch die Luft. Doch die Burgmannen sind der Neukirchner Übermacht nicht gewachsen. Mit Reissig und Stroh füllt der Feind an einigen Stellen den Wallgraben aus und ersteigt den Wall. Der Kampf wogt weiter bis in die Dämmerung hinein. - Horch! Kettengerassel! Richtig: Die Zugbrücke senkt sich. Jetzt, schöne Rabensteinerin, wehe dir! Der Erste, der auf die Brücke springt, ist der Neukirchner, seine Mannen mit Sieggeschrei hinter ihm her. Doch, was ist das? Das Streitross des Neukirchner Siegers bäumt sich. Das Freudengeschrei verstummt plötzlich. Alles steht wie gebannt. Aller Augen sind, weit aufgerissen, nach der Mitte der Zugbrücke gerichtet. Ein Schauer geht durch die kampfgewohnte Schar der Raubritter: Auf der Brücke, unmittelbar vor dem Neukirchner Ritter, steht eine weiße Gestalt, die die Knochenhand nach dem Zügel des Ritterrosses erhebt. Der Reiter drückt ihm die Sporen in die Weichen. Da springt es zur Seite und schleudert seinen Herrn aus dem Sattel. Der stürzt hinab in den Burggraben. Mit gebrochenem Genick bleibt er liegen. Das Pferd aber wendet sich, und in wildem Laufe geht es durch, zurück den Weg, den es kam, - und hinter ihm her die Scharr der Neukirchner Räuber. Sie schreien „Die weiße Frau!" Die weiße Frau!" rette sich wer kann. Die weiße Gestalt hat sich - nach ihrer Überzeugung - an ihre Fersen geheftet. Noch kurz vor Neukirchen soll sie hinter ihnen im Abenddunkel wahrzunehmen gewesen sein. -
So rächte der Geist der verstorbenen Schlossherrin die Untaten des Neukirchners.

Und was wurde aus dem armen lieben Burgfräulein? Schon geschwächt durch den Tot ihrer Liebsten, hatte das Kampfgetöse sie zu sehr in Aufregung gebracht. Nach dem fluchtartigen Abzuge der Feinde hatte sie sich todesmatt an ihr Lieblingsplätzchen geschleppt, an das Grab ihrer Mutter. Dort fand sie auch ihren Vater. Mit matter Stimme noch bittet sie Laß mich hier, bei meiner Mama, den langen Schlaft tun. Und hole mir meinen toten Herzallerliebsten aus dem Neukirchner Hungerturme, und vereine uns wenigstens im Tode". Noch ein letzter Seufzer - und ein junges Leben, voll von Enttäuschungen, hat geendet.
Der Ritter erfüllte seiner Tochter die letzten Wünsche. Eine junge Linde pflanzte er auf das dreifache Grab. Dann aber leidet es ihn nicht mehr in den einsamen Mauern. Gerade jetzt wird in deutschen Landen wieder zum Kreuzzuge gerüstet. Er schließt sich den Kreuzfahrern an. - Vielleicht ist er im Heiligen Lande gefallen. Kein Rabensteiner hat ihn je wieder gesehen. Aber schon mancher Wanderer soll zu mitternächtlicher Stunde aus dem verlassenen, öde Rittersaal der altersgrauen Burg ein Poltern gehört haben, das ihm gruseln machte. Und immer dann, so besagt die Legende wenn der Lichtschein des Vollmondes durch die große Astgabel auf die Stelle des Grabes trifft, könnten Glückskinder auch die weiße Frau" um die Mondscheinlinde wandeln sehen.

Und in den Zweigen der Linde singt der Wind seit Jahrhunderten das alte Lied von Liebe und Haß, von Glück und Tod.

Der verwunschene Schatz in der Burg Rabenstein

Vor langen Jahren, als die Burgruine Rabenstein noch ein fester Rittersitz war, gehörte sie einmal einem Herrn von Carlowitz. Der war sehr klein und bucklig. Aber reich war er. Bis nach Böhmen hinein gab es kaum einen Reicheren. Eine große Anzahl Dörfer gehörte ihm, mit all ihren Feldern, Wiesen, Wäldern und Teichen. Doch bei alle seinem Reichtume fühlte er sich tief unglücklich. Denn alle Welt machte sich über seine Missgestalt lustig. Wohl hatte er in jungen Jahren reiten und fechten gelernt, aber seine Bewegungen warn ungeschickt und tölpisch geblieben, wie die eines Knaben. So oft auch die Ritter der Umgebung Turniere und sonstige Feste abhielten: er ging gar nicht mehr hin, denn immer hatte man für ihn nur beißenden Spott bereit. Er unterhielt keinerlei Beziehungen mehr zu seinen Standesgenossen. Auf der Burg Rabenstein gab es keine glänzenden Ritterfeste. Der Burgherr lebte mürrisch und verdrossen ein einsames Dasein. Nur selten einmal sprach ein Rittersmann vor, der des Landes unkundig war. Aber kopfschüttelnd kehrte auch er sehr bald der ungastlichen Stätte den Rücken; denn das finstere verbissene Wesen des Besitzers fesselte niemanden. Und kam der Rabensteiner gar auf eine Burg in der Nachbarschaft, in der Absicht, um die Hand des Burgfräuleins anzuhalten und sie zur Schlossherrin von Rabenstein zu machen: wie höhnisch wurde er da heimgeschickt! -
Nicht einmal seine eigenen Knechte und Mägde achteten ihn. Sie amten seinen Gang und seine Wutausbrüche nach und missachteten seine Befehle, wo sie nur konnten. Selbst seine Verwandten gaben sich nicht besondere Mühe, ihm zu verbergen, dass sie eigentlich nur wegen seines Reichtums noch mit ihm Freundschaft hielten und seine Launen ertrugen.
Die Jahre vergingen. Sein Leben blieb ohne liebe, weder Frau noch Kinder waren ihm vergönnt, er lebte in Einsamkeit.

Nur eine kindische Freude hatte der alternde Mann: Nachts, wenn der große Gutshof und auch die Burg in tiefer Ruhe lagen, da schlich er im Vollmondscheine oder bei dem matten Lichte einer Talgkerze in den Rittersaal. Wie viele frohe Feste hatten seine Vorfahren hier abgehalten! Verwundert schauten sie jetzt von den hohen Wänden herab, aus den Bilderrahmen heraus auf ihren entarteten Sprössling. Gespenstische Schatten huschten hin und her. Mit wachsbleichem Antlitz und furchtverzerrten Zügen schritt er der einen finsteren Ecke zu. Hier stand seine liebe Truhe. Mühsam öffnete er das alte Schloss, knarrend hob sich langsam der schwere Deckel, und vor ihm lag die einzige Freude seines zwecklosen Lebens, die blanken, glitzernden Goldstücke. Wie freute er sich, wenn er wieder ein paar neue Dukaten hineinlegen konnte. Hier saß er oft stundenlang, mit den knochigen Fingern in der glitzernden Masse wühlend.
So auch in einer Herbstnacht. Der Wind heult in den Erkern und Ecken und Nischen der Burg und in den hohen Bäumen ringsum. Der bedauernswerte Burgherr! Tagsüber muss er sich ärgern über seine Mitmenschen, und jetzt gönnen ihm die Geister der Nacht seine einzige Freude nicht. Das Knistern und Rascheln will heute gar nicht aufhören, bald ist’s vor, bald hinter ihm. Er dreht sich um. Da, das Blut will ihm in den Adern erstarren vor ihm steht die Stammmutter des Geschlechts. Ernst und durchdringend, wie sonst von der hohen Wand herab, blickt sie ihn an. Mit hohler Grabesstimme ruft sie ihm zu: Mache dich bereit zum Sterben! In drei Tagen schlägt deine letzte Stunde!" - Und die Vision ist verschwunden. Die Ahnfrau blickt aus ihrem Goldrahmen herab wie immer. Zu ihren Füßen kauert, am ganzen Leibe zitternd, der letzte Spross ihres Geschlechts.
Mühsam erhebt er sich. Langsam, zitternd schleppt er sich zu Bett, doch schlafen kann er nicht. Nach Art der Geizigen quält ihn der Gedanke an sein Geld. Sterben und den ganzen Reichtum denen hinterlassen, die ihn immer nur verachtet haben? Nie und nimmer! Die verhassten Verwandten solle nur die leere Truhe vorfinden! Noch ehe der Tag graut, hat er in dem unterirdischen Gange, der von der Burg wegführt, ein passendes Versteck gefunden. Die letzten Nächte, die er nach dem Ausspruche der Ahnfrau noch zu leben hat, benutzt er dazu, den ganzen glänzenden Inhalt seiner Truhe dort zu vergraben. Ein Bannspruch vollendet sein Werk: Hier liege, du liebes Gold, bis ein anderer Carlowitz Besitzer dieser Burg ist, der ausgewachsen ist wie ich. Nur der soll den reichen Schatz entdecken und heben. Am dritten Tage aber fanden die Rabensteiner Burgmannen ihren Herrn tot neben der leeren Truhe liegen.

Der verwunschene Prinz auf dem Totenstein.

Vor langer, langer Zeit als selbst unsere Burg noch ein Neubau war, kam in einer stürmischen Nacht, zu mitternächtlicher Stunde ein einsamer, verirrter Wanderer die Totensteinstrasse von Westen herauf.Auf dem Felsblock des Totensteins setzte er sich müde nieder.

Da trat ein kleines Männchen zu ihm, und sagte mit zarter Stimme“ Erschrick nicht! Dieser Augenblick kann das Glück deines Lebens sein. ich bin ein verzauberter Sorbenprinz. Wenn du das erste lebende Wesen, das dir begegnet, küsst, so bin ich erlöst. Zum Dank sollst du dann alle Schätze erhalten, die ich dort in den Höhlen bewachen muss. Mit diesem Schlüssel wirst du zum Gold gelangen“. Damit überreichte ihm der Zwerg einen Schlüssel und verschwand. Ehe sich der Wanderer noch von diesem Schreck erholen konnte, sah er eine riesengroße Eidechse auf sich zukommen. Das Ungeheuer riss seinen Rachen auf, und seine rotglühenden Augen blickten ihn böse an. – Dieses Monster sollte er küssen? Auf keinem Fall!!! Eiskalt lief es ihm den Rücken hinunter. Weg, weg von diesem schaurigen Ort, er rannte so schnell ihn seine müden Beine tragen konnten. Mit schlotternden Knien und am ganzen Leib zitternd kam er bei den ersten Häusern von Rabenstein an. Erst nach Stunden hatte sich der Wanderer soweit erholt, das er von seinen Erlebnissen berichten konnte. Sofort machten sich einige Mutige auf den Weg zum Totenstein hinauf, doch den Zwerg suchten sie vergebens, nie wieder wurde er gesehen. Und so oft auch Neugierige nach dem Schatz gesucht haben, nie haben sie etwas anderes gefunden, als das „trügerische Gold“ das Leuchtmoos, das sich in ihren geldgierigen Händen zu ganz gewöhnlicher Erde verwandelt. 

Als Heimat und Naturverbundene Menschen wissen wir heute das äußerst seltene Leuchtmoos als einen waren Schatz unserer Heimat zu schätzen und zu schützen. Damit es auch noch unsere Kinder und Enkel bewundern können wurden Schutzgitter an den Höhlen angebracht

Wilhelmine

Eine Geschichte um Liebe und Leid, Erzählt mit den poetischen Worten einer längst vergangenen Zeit

(Aus: Reiseerinnerungen von Friedr. De la Motte Fouqué und Caroline de la Motte Fouquè.II. Teil S. 106 ; vervollständigt von Dt. Steinbrück 1920)

„Wie es in der Burg (Rabenstein) selbst ist, wie einst – die alten Böhmenritter hier hausten, was die gewaltigen Mauern erzählen, der Blick von oben herab verrät, der schäumende Wasserfall unten im Gebüsch flüstert: Ein tiefsinnig Gedicht webt sich davon zusammen, und wollte ich nun verraten, was ich im Abendschatten links an dem Burgfenster sah, wie darauf im Träume die Gestalt mir erschien, was sie mir entdeckte, wie sie, zu ewigem Jammer verdammt, den feurig jungen Ritter beweint, der von den Augen eines wildfremden, hier vorüberziehenden Fräuleins bestrickt, die frühere Jugendverbindung zerriss, noch umherirrt, jene zu suchen, und nur alle Jahre einmal in die väterliche Halle zurückkehrt, an der Seite der sanften Leidensgefährtin sein verwildert gemüht zu besänftigen, wollte ich das mit Farben, wie nur die Geisterwelt sie hat, hier malen, ich würde Bände füllen und das Anerhörte nicht wieder geben, wie ich es empfing ... das ich den Ritter damals (bei einem Feuerwerk) sah. Er lehnte auf dem Söller. Ein Pilgermantel hing ihm über die Schultern, etwas wie eine Mönchskutte bedeckte Haar und Kopf, nichts als die brennenden Augen waren kenntlich. Er schlich späterhin durch die Menge der Zuschauer hin. Vielleicht wähnte er, das fremde Fräulein hier zu finden.“

Gram und Sorge um den Geliebten nagten an Herz und Leben der sanften Wilhelmine. Zu spät kam beim Ritter die Reue. Als er von seinen Irrfahrten wieder einmal heimkehrte war Sie entschlummert. – Ein berühmter Meister kam und hielt ihre Gestalt und die weichen Gesichtszüge, wie sie der Ritter in Erinnerung behalten hatte, im Steine fest. Auf der Höhe gegenüber der Burg dem jetzigen Hoppberge, ließ er das Denkmal aufstellen.

Noch in den siebziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts waren dort Reste davon erhalten. Heute wächst ein Bäumchen an der Stelle, und der Volksmund bezeichnet das lauschige Plätzchen immer noch als „Wilhelmine“.

Ritter Haubold

Einmal war der Ritter Haubold von Wolkenburg in wichtiger Mission nach dem Schloss Rabenstein bestellt worden. Die Rabensteiner Herren wollten mit ihm ein Bündnis gegen die Raubritter schließen, welche seit geraumer Zeit die Gegend unsicher machten. Als der Pakt besiegelt war machte sich Haubold auf den Rückweg nach Wolkenburg. Doch die Raubritter mussten Wind von der Verabredung bekommen haben.
Der Weg des Ritters, welcher allein ohne seine Lanzknechte unterwegs war, führte auf der uralten Salzstraße durch den Kaufunger Forst. Dort lauerten ihn die Galgenvögel auf. Im Kampf konnte er einige der Gegner erledigen, doch der Übermacht war er nicht gewachsen. Er floh in Richtung der Mulde, versuchte verzweifelt sein völlig erschöpftes Pferd zur höchsten Eile anzutreiben. Umsonst, jeder Weg zur Rettung schien abgeschnitten, die Brücke an der alten Muldenfurt war zu weit entfernt und auch ein zeitraubender Abstieg zum Muldenufer wäre sein sicherer Tod gewesen. Den sicheren Tod vor Augen blitzte plötzlich ein verwegener Gedanke in ihm auf. Er riss sein Pferd herum und jagte in vollem Galopp dem steilen Felsenufer zu. Lebend sollten ihn seine Feinde nicht bekommen. Ein letzter Sporendruck, und Pferd und Reiter sprangen in hohem Bogen in die gähnende Tiefe. Gerade noch vermochten die Verfolger ihre Pferde vor dem Abgrund zu zügeln. Da hörten sie aus dem Tal den Aufprall des Pferdes im aufschäumenden Muldenwasser. Doch sie trauten ihren Augen kaum, mit letzter Kraft rettete sich der Verfolgte aus dem reißendem Fluss und war in Sicherheit. Seit diesem Tage wird der Felsen gegenüber den Mühlengebäuden im Volksmund der »Hauboldfelsen« genannt.

Die sorbischen Schätze am Totenstein

Nach der Niederlage der Hermunduren oder Duringe (531 bei Burgscheidungen) drängen in den entvölkerten Osten des ehemaligen Hermundurenlandes von der Elbe her die Sorben (Wenden). Von Kamenitz oder Chamenitzin aus gingen die Sorben in den Bachtälern aufwärts, rodeten mit ihren steinernen Ärten den Wald und bauten dort ihre niedrigen unscheinbaren Hütten. Sie legten Felder, Wiesen und Gärten an und bebauten sie mit Fleiß und Erfolg.

Dort, auf einer mächtigen Steinplatte, standen Tongefäße von verschiedener Form und Größe. Sie wurden an die Sonne gestellt, damit sie trocknen und hart werden sollten. An den Zäunen und an Stangen hingen Tücher; denn die Sorben verstanden sich aufs Weben.

Der Totenstein aber war die geweihte Stätte der Sorben. Hier oben verehrten sie ihre Götter Bielebog und Ezernebog und verbrannten sie ihre Toten. Priester und Opferdiener in langen Gewändern walteten hier ihres blutigen Amtes. Unten am Steine aber starrte das Volk erfurchstsvoll herüber, wenn gefangene Germanen oder harmlose Tiere den finsteren Göttern geopfert wurden, oder sie umwandelten unter feierlichen Trauergesängen den Holzstoß, auf dem die Leiche eines Anverwandten verbrannt wurde. Ihre Asche übergab man tönernen Urnen, stellte sie in Gemeinschaft anderer auf den Stein zum Gedächtnis für die Überlebenden.

Später wurden die Sorben in ihrem friedlichen Tun gestört. Germanen aus dem nahen Multentale brachen durch die dichten Wälder und suchten die Sorben zu vertreiben oder sie ihrer Herrschaft zu unterwerfen. Hier am Totensteine, klirrten die Schlachtschwerter, gellten das Wutgeheul der Besiegten und die Jubelrufe der Germanen. Die verhassten Sorben wurden unterworfen oder aus ihren Dörfern und Gauen vertrieben.

Germanische Blockhäuser und Kirchen entstanden. Seitdem ist der Totenstein verlassen, und auch jetzt kommen wanderlustige Menschen herauf, die herrliche Aussicht zu genießen ... An die Sorben erinnert am Totenstein nur noch jener Goldglanz, der aus den dunklen Spalten der Gesteinshöhlen hervorleuchtet. Dieses zarte, grüngoldene Leuchten erzählt von jenen unermesslichen Schätzen, die damals, vor Jahrhunderten, - Wohl als die Sorbenherrlichkeit ein Ende nahm, hierher verzaubert wurden, zugleich mit der schönen sorbischen Königstochter. Warum und von wem? Das erzählt uns die Sage nicht. All die güldenen Kronen, die güldenen und silbernen Rüstungen, und die glänzenden Ketten und Armspangen harren dem erlössenden Wortes. Doch wenn unberufene, habgierige Hände nach dem merkwürdigen, geheimnisvollen Gefukel fassen, so verwandelt es sich augenblicklich in Staub, und der Glanz ist verschwunden.

Unterirdische Gänge

Wohl fast so alt wie Rabenstein selbst sind die Sagen und Legenden über unterirdische Gänge, alte Stollen und darin vergrabene Schätze.                                                Max-Barthel-Rabensteiner-Gänge   In die Zeit der Klosterherrschaft zurück versetzt uns die Sage von dem unterirdischen Gange, der von der Burg Rabenstein nach dem Chemnitzer Bergkloster, dem späteren Schloss Chemnitz, führen soll. Diesen Gang haben nach der Sage die Klosteräbte benutzt, wenn sie sich in Rabenstein von den Sorgen ihres Amtes erholen wollten, vor allem jener Abt Ortwin Schindelbach (gest. 1425), der - wie die Sage erzählt - mit der schönen Rabensteiner Schäferstochter Elsbeth öfter ein Schäferstündchen abhielt.                                                                                          Ein zweiter Gang soll vom „Hohen Graben" auf dem Hoppberg abgehen, auch nach Schloss Chemnitz. 

Ein dritter Gang führt der Sage nach von der Burg zum Totenstein hinauf, nach einigen Legenden sogar bis Kohren (bei Frohburg).

1905 ist man bei Arbeiten am Burgteich auf ein Gewölbe gestossen, das sehr wohl ein Stück unterirdischer Gang gewesen sein könnte Leider sind damals die Untersuchungen nicht fortgesetzt worden. Auch bei den Grabungen der 50er Jahre wurden Gewölbe und Kellergänge im Bereich der ehem.. Unterburg freigelegt, ebenso bei der Anlage des Parkplatzes in den 80er Jahren hinter der Burg. Sicherlich handelte es sich bei den meisten Gewölben um Keller und Verbindungsgänge längst abgetragener Gebäude, doch ist es nach wie vor nicht auszuschliessen das einige dieser Gänge von der Burganlage weg führten. Bei dem Gang vom „Hohen Graben“ handelt, es sich ebenso wie bei den Höhlen am Totenstein sehr wahrscheinlich um Bergbaureststollen welche aufgegeben wurde, weil sich der Abbau dort nicht lohnte. Daher soll nach einigen Deutungen auch der Name Totenstein – totes Gestein abgeleitet sein.

Das Ungeheuer vom Rabensteiner Wald

Vor langer, langer Zeit als sich der Rabensteiner Wald noch weit bis in das Chemnitztal erstreckte, lebte in ihm ein fürchterliches, wildes und grausames Ungeheuer. An der alten Straße nach Rabenstein, entlang des Pleißenbaches hatten sich in jener Zeit gerade einige Sieder niedergelassen.

Ungefähr da, wo die Straße von der Handelsstraße welche von Leipzig über Chemnitz nach Prag führte abzweigt, kam das Ungeheuer manchmal aus dem finsteren Wald. Dort wartete es auf harmlose Reisende und raubte sie aus. Doch damit nicht genug. Das grässliche Ungeheuer forderte seine Opfer auch noch dazu auf, ihm etwas zu erzählen. Wenn es die Wahrheit hörte ließ es die Menschen frei. Wenn aber eine Lüge oder etwas Falsches vorkam, dann fraß es den Reisenden an Ort und Stelle. Denn das Ungeheuer war schlau und merkte sofort, wenn ihm jemand eine Lüge erzählte oder wenn auch noch das kleinste Detail nicht stimmte.
Da die Menschen oft falsche Dinge weitererzählten, ohne es zu wissen und zu merken, fielen dem Ungeheuer mit der Zeit immer mehr Reisende zum Opfer.
Diese Gefahr zog aber auch besondere Menschen an. Tapfere Ritter aus dem kultivierten Westen des Abendlandes kamen nach Rabenstein. Welche Heldengestalten! Manche waren über zwei Meter groß, ihre Pferde glichen eher Elefanten, die eisernen Rüstungen blitzten grell im Sonnenlicht, die riesigen Schwerter mussten von drei Knappen getragen werden. Die Rabensteiner waren beeindruckt. - Aber letztlich scheiterte einer nach dem anderen. So färbte sich der Pleißenbach rot vom Blute der stolzen Recken. Es begab sich schließlich, dass sich kein Mensch mehr auf die Straße nach Prag wagte. Die Leute gewöhnten sich auch daran. Als dann schon fast keiner mehr daran dachte, dass es einmal eine Straße nach Prag gegeben hatte, da kam ein junger Ritter daher. Sein Name war Ruediger. Er stammte aus dem östlichen Land der drei Vögte. Besonders muskulös wirkte er nicht. Ein Riese war er auch nicht, sein Schwert hatte er vergessen und eine Rüstung besaß er gar nicht.

Die Leute hatten Mitleid mit dem jungen Mann. Sie rieten ihm vom Kampfe ab. Er solle doch lieber wieder nach Hause reiten, zu seinem Burgfräulein. Schließlich zeigten sie ihm die Reckengräber auf ihrem Friedhof. Doch alles Reden nützte nichts. Ritter Ruediger saß schon auf seinem treuen Pferd und ritt los. Man gab ihm wenigstens noch ein Schwert mit, dass Erwin der Schmied in der Nacht gehärtet hatte.
Kurz nach der alten Straßenkreuzung, erschien dann auch das Ungeheuer: »Na, lieber Ruediger«, sagte es, denn es wusste selbstverständlich bereits seinen Namen, »erzähle mir doch mal etwas. Aber bleibe bei der Wahrheit!« - Ritter Rüdiger blickte so unschuldig, wie er nur konnte und sagte: »Gleich wirst Du mich fressen!« Schon wollte das Ungeheuer wie üblich seine mächtige Pranke nach dem armen Ritter ausstrecken, da dämmerte es ihm, dass der Ritter dann ... ja die Wahrheit gesprochen hätte. - Unmöglich! War doch einer tatsächlich schlauer! Unerträglich! »Uhaaaahuuhaaauuuh« - brüllte das Ungeheuer, und, - dann platzte es mit einem gewaltigen Knall, so laut, wie man ihn bis dahin noch nie gehört hatte.

Als alles vorbei war und keine Gefahr mehr drohte, da kamen die Siedler angerannt, um dem Ritter zu helfen. Als sie die Reste des Ungeheuers sahen, brachen sie in großen Jubel aus. Sie feierten Ruediger als großen Helden und erzählten überall von seinen Taten.

Ihr neu gegründetes Dorf nannten sie von diesem Tage an “Ruedigersdorf”. Im Alltag sprachen sie jedoch den Namen immer nachlässiger aus: Ruedgersdorf, Rühdchersdorf, Rührschdorf. Schließlich, als man wieder vornehm sprechen wollte, wurde daraus »Röhrsdorf«. So heißt es noch heute.

An jener Stelle wo die große Tat geschah steht heute eine Gaststätte, ihr Name „Zum Wildpark“ soll noch an das wilde Ungeheuer erinnern.

Rottluff und Siegmar
(aus Chemnitz und seine Umgebung von E. Weinhold 1910)

Wie sich einst vom 4. Jahrhundert an aus dem fernen Osten Völkerscharen nach Westen zu ergossen hatten, so zogen um das Jahr 1100 vom Abende her fremde Männer mit Weib und Kind, mit Knecht und Magd , mit Spieß und Wagen in unsere Heimat ein. Aber das waren nicht wieder Sorben, sondern Deutsche. Aus dem Landesteilen Franken in Bayern oder aus fränkischen Orten des Westerwaldes und aus dem alten Sachsen sollen sie gestammt haben. Die Ortsnamen Frankenberg, Frankenau und Sachsenburg können noch heute auf die Abkunft dieser Ansiedler hinweißen. Wo aber auch immer die Wiege der Einwanderer gestanden hat, unternehmende Gestalten sind die Fremdlinge auf jeden Fall gewesen, mutig genug, ihre Heimstatt in fernem Lande zu suchen.
Eben macht draußen im Kappelbachtale eine Gruppe halt. Aus ihr lößen sich zwei Männer von hohem Wuchse, Rotlof oder Rudolf und Segemar oder Siegmar geheißen. Auf holperigem Wege, durch dorniges Gestrüpp, schreiten sie nordwärts, der Burg Rabenstein zu, die vielleicht kurze Zeit vorher erbaut worden war. Ein tapferer Kriegsmann, dem der König für treuen Beistand einen weiten Landbezirk rundum verlieh, gebietet hier. Ihm bitten die beiden Frankenführer um Aufnahme. Oder sind sie von ihm herzugerufen worden?
Nach kurzer Zeit sind die Verhandlungen beendet, und der Burgherr schreitet mit Siegmar und Rodolf talwärts nach dem Walde zu, durch den der Harthweg führt. Bald liegen hinter den Männern die Fluren, die der Herr für sich und seine Gemeinde Rabenstein behalten will. Nun geht es ans Werk. Umfängliche Gevierte werden abgeschrittet, das eine nach dem Pleißenbache, das andere nach dem Kappelbache zu. Ohne viel Förmlichkeiten übernehmen dann die Franken das Land.
Bald erfolgt die Teilung in einzelne Hufen oder Güter, und ungesäumt legen die neuen Besitzer Hand an, das ihnen zugefallene Gebiet zu einem Teil urbar zu machen. Sie gehen mit ihren Knechten in die „Harth“ schlagen Stämme nieder und bauen nahe dem Bache Gehöfte, Häuser aus Balkenwerk und Lehm. Nun steigt der erste Rauch vom Herde und aus der Waldlichtung empor.
Damit sind zwei neue deutsche Dörfer begründet: Rudolfs- und Siegmarsdorf, oder , wie die Fremdlige sie zu Ehren ihrer Führer kurz benennen Rottluff und Siegmar.

Die Rache der Rabensteiner Leineweber

Viele der Rabensteiner Leineweber hatten hübsche Töchter, aber einer von ihnen hatte eine ganz außergewöhnlich schöne und tugendhafte Tochter
Sie war von solcher Schönheit, dass sie von vielen Verehrern umworben wurde. Doch standhaft wehrte sie alle noch so verlockenden Angebote ab, denn sie hatte schon längst ihr Herz einem braven Burschen geschenkt. Einmal besuchte die Jungfer Verwandte in Röhrsdorf, in angeregter Unterhaltung vergaßen sie die Zeit und es wurde später als sonst üblich. Als sie das Haus in Röhrsdorf verließ, dunkelte es bereits. Weil sie sich in der Dunkelheit fürchtete, und damit sich der Vater nicht über ihr Ausbleiben ängstigte, eilte sie auf kürzestem Wege heim. Dieser führte auch am Rabensteiner Schafteich vorbei. Dort begegnete ihr der Schlossvogt. Schnell versuchte die Jungfer, nichts Gutes ahnend, an ihm vorbeizukommen. Doch der Vogt, er war von großer dunkler Gestalt, verstellte ihr den Weg. So sehr sie auch bat und flehte, er zog sie an sich und versuchte sie seinem Willen gefügig zu machen. Sie wehrte sich mit all ihrer Kraft gegen seine Umklammerungen. Es gelang ihr aber nicht, sich von ihm zu lösen. Schließlich berührten ihre Hände den Dolch des Schlossvogtes, den dieser am Gürtel trug. Mit dem Mut der Verzweiflung ergriff sie den Dolch und stach blindlings auf den Wüstling ein, bis er von ihr abließ und zu Boden fiel. Seine Bewegungen wurden immer matter und bald lag er regungslos am Ufer des Teiches. Blut rann aus den tiefen Wunden und bildete eine Lache.
Das Mädchen erschrak fürchterlich, sie hatte vordem keiner Fliege etwas zuleide getan: und jetzt dieses Unglück. Was sollte sie tun? Sicher würde ihr niemand glauben. Das Gericht hätte bestimmt kein Einsehen. Von solchen Gedanken verfolgt ertränkte sich das demütige Mädchen im Schafteich. Doch der ruchlose Schlossvogt war noch nicht tot. Er erwachte aus seiner Ohnmacht und schleppte sich zurück zur Burg.
Inzwischen hatten die Eltern des Mädchens nach ihrer Tochter gesucht. Allein sie fanden das Mädchen nur noch tot. Aber sie stießen auch auf eine Blutspur zum versperrten Schlosstor.
Zu groß war der Schmerz des Vaters und des Bräutigams, als dass sie sich mit dem Verlust des Mädchens zufrieden gegeben hätten. Mit Unterstützung der anderen Leineweber fanden sie bald heraus, wer der Übeltäter war und dass dieser noch lebte. Gemeinsam wurde daraufhin beschlossen, dass er sein Verbrechen mit dem Leben zu bezahlen habe. Sodann schlugen sie ein Pergament mit dieser Ankündigung an das Schlosstor.
Den grausamen Vogt ergriff daraufhin eine unheimliche Furcht und er versuchte, sein Leben durch eine schnelle Flucht zu retten. Aber das nutzte ihm nichts.
Die Leineweber entdeckten sehr bald seinen Aufenthaltsort in Thüringen und vollstreckten die gemeinsam beschlossene Blutrache.

Die Legende der Rabensteiner Fehde

Am Ende des 14.Jahrhunderts lag die einst stolze Burg, derer von Rabenstein verlassen auf ihrem Fels im Dunkel des Rabensteiner Waldes. Nur einige Vasallen bewachten den Herrschaftssitz. Seine ehem. Besitzer, deren Vorfahren, das Land für Kaiser und Markgraf in Besitz genommen hatten, waren nachdem sie hier den wirklich großen Silberschatz nicht finden konnten, dem neuen Bergschrei nach Freiberg gefolgt. Vorher hatten die Rabensteiner ihre Herrschaft mit all den zugehörigen Dörfern an ihre Verwanden in Waldenburg verkauft.

Nun versuchte Johannes von Waldenburg das Anwesen wiederum zu veräußern. Gleichzeitig ging allerdings Markgraf Willhelm genannt „der Einäugige“, welcher die Oberhoheit über die Gebiete der Mark Meisen besaß, davon aus, dass die Herrschaft mit dem Weggang der Rabensteiner zurück an Ihn fiele. Sich seines Rechtes sicher, verlehnte der Markgraf das Rabensteiner Land ausgerechnet an den Schwiegersohn des Waldenburgers, den Burggrafen Albert den Vvon Leisnig, und räumte ihm ein Vorkaufsrecht ein.
Mittlerweile hatten auch die Waldenburger, in Abt Heinrich von Donyn einen Käufer gefunden, welcher mit der Herrschaft Rabenstein die Gebiete des Benediktinerklosters Chemnitz erweitern wollte.
Im Jahre 1375 kam schließlich dieser Verkauf zustande. Albert der sich nun um sein Lehn gebracht sah, sann in mittelalterlicher Art und Weise auf Rache. Doch allein reichten seine Kräfte nicht aus um gegen die, damals als Schloss Rabenstein bezeichnete Burg ziehen zu können. So suchte er nach Verbündeten und fand diese schließlich in einigen befreundeten Rittern und auch Bürgen der Städte Zwickau und Oederan.
Die kleine Heerschar zog gegen Rabenstein, es war ein heißer Tag im Juli des Jahres 1386, sie schlichen sich in den Wald, welcher die Burg von allen Seiten umgab und brachten ihre Feuerwaffen in Stellung. Einige Mönche, welche oberhalb der Burg mit dem Anlegen von Fischteichen beschäftigt waren wurden gefangen genommen, um eine vorzeitige Warnung der Burg zu verhindern. Aus demselben Grund besetzte man auch die nahe Mühle. Auf ein vereinbartes Signal feuerten die Pfeilbüchsen- und Armbrustschützen, vom gegenüber der Burg gelegenen Berg, was ihm seinen bis heute geläufigen Namen, Schützenberg einbrachte. Gleichzeitig erstürmten die Knappen mit ihren Leitern Burggraben und Mauern. Den völlig überraschten, des Kampfes unerfahrenen Burgmannen zischten die Pfeile um die Ohren und das laute Krachen der Büchsen verbreitete Angst und Schrecken. Diese versuchten sich noch mit ihren Lanzen und Wurfgeschossen zu verteidigen, doch es war nur eine Frage der Zeit bis die Feste in die Hände der Eroberer fallen würde. So beschloss, der gerade auf der Burg anwesende Abt durch einen der geheimen Gänge zu fliehen. Kaum war die verborgene Tür hinter ihm in ihr Schloss gefallen, senkte sich die Zugbrücke und die Berittenen Angreifer brechten auf den Schlosshof vor, nun gaben auch die letzten Verteidiger der Burg auf.
Der Burgvogt und seine Mannen wurden ins Verließ gesperrt. Die Ritter brachen die vom Abt reich ausgestattete Burgkappelle auf und raubten den gesamten Kirchenschatz. Danach zogen Sie mit Ihren Vasallen durch das Rabensteiner Land und verboten den Bauern bei Todesstrafe Zins und Zehnten an das Kloster abzuführen.
Der Abt kochte vor Wut, was sollte er gegen die Eroberer tun? Militärisch hatte von Donyn nichts entgegen zu setzen. Sollte er sich an den eher schwachen König Wenzel von Böhmen wenden? Von seitens des Markgrafen, welcher auch die Gerichtsbarkeit inne hatte, war ja ohnehin keine Hilfe zu erhoffen. So kam ihm die Idee den Papst in Rom um Hilfe zu bitten, dort waltet gerade, der als besonders grausam geltende Papst Urban VI seines Amtes. Von Donyn, verfasste mit spitzer Feder eine wütende Anklageschrift, worin er die Eroberer Rabensteins als „Söhne der Bosheit, vom Teufel verführt“ beschreibt und ganz besonders auf den gemeinen Raub des geweihten Kirchenschatzes hinweist. Er unterzeichnete das Schriftstück und rief ein Mönch herzu, diesen beauftragte er sofort zum Heiligen Vater zu eilen. Gehorsam nahm dieser den Wanderstab, empfing den Segen des Abtes und machte sich auf den Weg nach Rom.
Der Papst reagiert wie erhofft, die Beteiligten der Fehde werden vor das päpstliche Gericht nach Rom geladen, da diese der Ladung nicht nachkommen, verhängte der Papst ein Interdikt über alle Beteiligten an dem Überfall.
Auch wenn sich diese Prozedur über Jahre hinzog, der kirchliche Bann wog seinerzeit schwer, so durfte u.a. in den gebannten Städten kein Gottesdienst mehr abgehalten und auch keine Sakramente mehr gespendet werden. Die streitbaren Gesellen wurden von Kirche und Gesellschaft ausgeschlossen und in ihrem Glauben der Hölle schutzlos ausgeliefert. Die Angst brach letzten Endes den Pakt der Verschwörer auf und brachte sie zum Einlenken. Zuerst wechselte Veit von Schönburg die Seiten wofür er später vom Abt mit einem Teil des Dorfes Kändler belohnt wurde.
 Auch der „Einäugige“, vom Interdikt in seinem Herrschaftsgebiet aufgeschreckt, setzte sich jetzt vermittelnd ein und handelte eine Straffreiheit für die Beteiligten aus, so diese das Rabensteiner Land räumen und Wiedergutmachung für die entstandenen Schäden leisten. Dies war eine Grundvoraussetzung für den Friedensschluss, denn allein für die Plünderung der Kirche hätten die Angreifer zum Tode verurteilt werden können.
Nachdem die geforderten Leistungen erbracht und das Herrschaftsgebiet geräumt war endete die Rabensteiner Fehde 1390 mit der Rückgabe der Burg Rabenstein an das Kloster durch die Gemahlin des Markgrafen höchstselbst.

Der Fehde zweiter Teil.Das-Mädchen-und-der-Abt

Um den Chemnitzer Abt Ortwin Schindelbach (oder auch Schindeldach) ranken sich einige Geschichten, so auch die der zweiten Rabensteier Fehde.
Abt Ortwin war ein frommer Mann, groß, von gutem Aussehen und gebildet, aber zuweilen auch aufbrausend. Er setzte sich im besonderen Maß für das Wohl seines Benediktinerklosters ein, aber auch ein süßes Geheimnis machte ihm zur Legende.
Bis in das ferne Konstanz, wo auf dem Konzil über die Einheit der damals uneinigen Kirche gestritten wurde, war er gereist. Allerdings interessierte ihn die große Kirchenpolitik nur beiläufig, er wollte unbedingt König Sigismund treffen, um sich den Besitz an der Herrschaft Rabenstein für sein Kloster bestätigen zu lassen.
Trotz der Niederlage in der Rabensteiner Fehde hegten die Leisniger Burggrafen noch immer Besitzansprüche auf Rabenstein. Besonders nach dem Tod von Markgraf Willhelm dem „Einäugigen“ 1407, wehte der Ruf nach Rache immer deutlicher aus der Rochsburg herüber zum Rabenstein, dem zeitweiligen Wohnsitz des Chemnitzer Abtes.
Für das Kloster war das Rabensteiner Land indes, mit seinen ertragreichen Gütern, zur bedeutendsten Einnahmequelle aufgestiegen, deren Verlust geradezu existenzbedrohend für die Benediktiner gewesen wäre.
Jedenfalls gelang es dem wortgewandten Ortwin auf dem Konzil, bei einer günstigen Gelegenheit den König zu sprechen und nach ausgiebiger Schilderung der Angelegenheit auch dazu zu bewegen ihm die gewünschte reichshoheitliche Bestätigung über die Herrschaft Rabenstein auszustellen. Zurück auf der Burg setzte Ortwin alle Mittel in Bewegung dass die Leisniger möglichst schnell erfahren würden, dass Rabenstein von nun an unter dem Schutz des Reiches stünde. Ritter Albrecht, jetzt Familienoberhaupt derer von Leisnig fuhr der Schock in die Knochen als er diese Nachricht erfuhr, jetzt sann er seinerseits auf Rache an dem Abt, dabei sollte ihm später sein Wissen über ein streng gehütetes Geheimnis helfen.
Der, ach so fromme Diener der Kirche, Ortwin hatte bei seinen abendlichen Spaziergängen an den rabensteiner Fischteichen ein wunderschönes Mädchen kennengelernt, welches hier ihre Schafe zur Tränke führte und sich unsterblich in Sie verliebt. Es war Elsbeth die 20jährige Tochter des Schlossschäfers Kühnert, sie ließ ihn Gottesfurcht und Zölibat vergessen. Um sich öfter mit ihr treffen zu können, ersann der schlaue Ortwin allerlei Tricks. So nutzte er sein Wissen um die geheimen Gänge, welche fast alle Klöster und Festen jener Zeit besaßen. Er verschwand ungesehen im Kloster, wie er auch scheinbar plötzlich auf der Burg Rabenstein auftauchte und umgekehrt. Da nur sehr wenige wichtige Leute die Ein- und Ausgänge der Tunnel kannten, kam sehr schnell die Geschichte von einer geheimen Verbindung zwischen Kloster und Burg auf, welche der Abt wohl nutzen würde. Doch in Wahrheit schlich er sich heimlich in Bauernkleidern getarnt aus den verborgenen Ausgängen um sich mit seiner großen Liebe zu treffen. Auch Elsbeth nutzte die Gänge um des Nachts heimlich zu ihrem Geliebten Ortwin zu gelangen.
Dumm nur das ausgerechnet seine Erzfeinde, die Leisniger, das Geheimnis der rabensteiner Gänge kannten. Bereits während der ersten Rabensteiner Fehde hatten Albrechts Vater und seine streitbaren Gesellen in der Burg den Fluchtweg gesucht auf dem damals Abt von Donyn geflohen war. Anfangs allerdings ohne Erfolg, erst die peinliche Befragung des Vogtes in der Folterkammer hatte schließlich dessen Zunge gelöst und das Geheimnis verraten.
Um seinen Überfall vorzubereiten hat nun Albrecht, den Plänen seines Vaters folgend, nach den geheimen Eingängen suchen lassen.
Indes war der verliebte Abt, sich in Sicherheit wiegend unvorsichtig geworden. An einen lauen Abend streifte das Paar noch lange durch den Wald und die Hopfenfelder, nach einem innigen Abschied verschwand Ortwin im verborgenen Tunnel, allerdings wurden sie diesmal von den Spähern des Burggrafen beobachtet.
Der davon informierte Albrecht ersann einen perfiden Plan. Vor gerade mal hundert Jahren hatte man in der Kirche das Gebot der Enthaltsamkeit für ihre Priester durchgesetzt, jetzt brauchte er bei seinem Überfall nur die Geliebten in Flagranti ertappen um den Abt vor Kirche und Volk bloß zu stellen.
Wieder zogen die Angreifer nach Rabenstein und verschanzten sich im Wald. Sie beobachteten wie das Mädchen kam und im dichten Gebüsch zwischen Felsspalten verschwand, einige wollten ihr sofort folgen, doch Albrecht hielt sie zurück. Erst in der Dämmerung schlich ein kleiner Trupp angeführt vom Burggrafen selbst und seinem Mitstreiter Hans von Sparrenberg durch den Gang in die Burg. Sie überrumpelten die Burgwachen ohne das diese auch nur einen Hilfeschrei hätten abgeben können. Die Zugbrücke wurde geöffnet, so dass die Verstärkung nachrücken konnte. Sofort stürmten Albecht und seine Mannen in die Gemächer des Abtes. Dort trafen sie ihn, wie erhofft beim Schäferstündchen mit Elsbeth an. Es dauerte einige Zeit bis Ortwin seine Worte wieder fand, dann schrie, tobte und heulte er abwechselnd. Um die Schmach noch zu vergrößern wurden beide nackt aus den Gemächern getrieben.
Die Ritter wollten das Mädchen im Palas gefangen halten, doch der Leisniger wollte sich an Ortwin rächen, Elsbeth hingegen tat im leid. Er gab ihr ein Leinentuch und sie durfte das Schloss verlassen. Den Rennsteig entlang der Teiche mochte das Mädchen nicht nehmen, denn dort machten sich die Knappen des Leisnigers mit Fackeln am Teichmönch zu schaffen. Sie wollten Fisch für ihr Gelage im eroberten Schloss fangen und gleichzeitig dem Kloster schaden zufügen. Indes krakselte Elsbeth mit gesenktem Blick durch das dichte Gebüsch den steilen Hopfenberg hinauf, der heimatlichen Schäferei entgegen. Die Dornen zerkratzen ihre Haut und die Füße bluten, doch das schöne Mädchen ängstigte nicht nur die Scham, sondern mehr noch die Sorge als Verführerin eines Geistlichen der Hexerei bezichtigt zu werden.
Ortwin sperrte man indes mit den Worten „jetzt müsse er eh Buße tun“ in der Burgkapelle ein, dort tobte und wimmerte er noch die ganze Nacht. Schließlich sich beruhigend und dem Gebet ergeben hoffte er doch nun auf schnelle Hilfe von seitens des Königs oder Markgrafen, doch gerade diese ließ auf sich warten. Tagelang musste er mit zusehen wie sein Haus geplündert und das Vieh geraubt wurde, wie die schändlichen Eroberer ein Gelage nach dem anderen auf seine Kosten feierten.
Allerdings wussten diese diesmal auch, dass sie die Burg Rabenstein nicht auf Dauer in ihren Besitz bringen konnten, dafür wog der Schutz des Königs zu schwer. So zogen sie nach 10 Tagen und den vollzogenen Schandtaten wieder ab, vorher ließen sie aber noch den Abt frei.
Der wütende Ortwin konnte sich nun seinerseits nicht wie sein Vorgänger an den heiligen Vater wenden, er hatte ja selbst gesündigt. Er begab sich nach Ungarn, suchte wieder Hilfe bei König Sigiesmund Doch obwohl er sich wochenlang am Hofe des späteren Kaisers aufhielt, musste er ohne konkrete Zusagen über dessen Eingreifen nach Chemnitz zurückkehren.
Inzwischen hatten die Burggrafen um Albrecht von Leisnig die Abwesenheit des Abtes genutzt und sich des Peniger Priorats bemächtigt. Sie ließen sofort aus den dazugehörigen Gruben zu Chursdorf 200 mit Eisen beladene Wagen wegfahren und veräußern. Im Gegensatz zur Herrschaft Rabenstein, sollte die Peniger Propstei für Abt Ortwin Schindelbach und sein Kloster verloren bleiben.
Vielleicht hat ihm ganz im Geheimen die schöne Elsbeth auch über diese Niederlage hinweg Trost gespendet?                                                                   PB

Das Schäferkreuz

Die Herren auf Burg Rabenstein hatten in alten Zeiten das Recht, ihreSchäferkreuz Schafherden auf die Wiesen der umliegenden Dörfer zu treiben zu lassen. Darüber waren die Bauer, ins besondere die Röhersdorfer sehr erbittert, konnten jedoch nichts dagegen unternehmen.
Dies nutzten die Rabensteiner Schäfer schamlos aus, sie waren hochmütig und überheblich. Oft trieben sie ihre Herden auch auf die angrenzenden Felder der Bauern und richteten dadurch großen Schaden an. Sie glaubten, dass ihnen nichts geschehen könne, da sie einem so mächtigen Herren dienten.
Als nun eines Tages wieder ein Schäfer seine Herde in die Felder der Bauern trieb, kam es zu einem heftigen Streit zwischen dem Schäfer und mehreren verbitterten Bauern. Dabei wurde der Schäfer erschlagen. Zur Strafe und Sühne mussten die Bauern ein steinernes Kreuz am Tatort, einem Feldweg zwischen Röhersdorf und Rabenstein, setzen. Die Leute nennen es noch heute das Schäferkreuz.
Im Mittelalter war es üblich, dass wenn es zu einem unbeabsichtigten Todschlag gekommen war, der oder die Täter mit den Angehörigen des Opfers einen Sühnevertrag schlossen, in welchem sie sich verpflichten mussten für die Nachkommen des Opfers zu sorgen. Zum Andenken an den ohne Sterbesakramente verschiedenen wurde von ihnen ein Sühnekreuz aufgestellt, meist am Tatort, so dass Vorübergehende, Fürbitte für das Opfer leisteten konnten.

Der Prinzenraub
(aus Chemnitz und seine Umgebung von E. Weinhold 1910)

Als Ritter Kunz von Kaufungen in der Nacht vom 7. zum 8. Juli des Jahres 1455 in Altenburg die Prinzen Ernst und Albert entführt hatte, da galt es für ihm möglichst schnell die Grenze Böhmens zu erreichen. Südwärts mußte der Weg der Räuber gerichtet sein. „Kunze setzte also seinen Herren auf ein Roß und führte ihn bei Nebel und Nacht davon, eilte erstlich durch die Leine (Seine?) welches ein Wald ist bei Altenburg, ferner durch die Rabensteiner Wälde und gegen Elterlein zu“ berichtet eine alte Schrift. Nahe unserer Stadt wäre demnach der Ritter mit dem Prinzen Albert vorübergekommen. Vielleicht beim Totensteine sehen wir ihn den waldigen Höhenrücken übersteigen, bei Grüna die Talaue des Kappelbaches durchqueren.
Bald hatte ihn jedoch das Verhängnis getroffen, denn unweit Grünhain, am heutigen Fürstenbrunnen, fiel er in die Hände des Köhlers.
Enger aber noch als durch die flüchtige Berührung unserer Gegend durch Kunz, den „viel wilden Mann“, wurde die Verbindung der Stadt Chemnitz und ihrer Nachbarschaft mit der Geschichte des Raubes dadurch, daß die geretteten Prinzen in Chemnitz das erste Mal wieder mit ihren Eltern zusammentrafen und dann, alter Überlieferung nach, von hier aus die Wallfahrt nach Ebersdorf antraten. „Den 15. Juli ging der Kurfürst mit seiner Gemahlin und den beiden Prinzen, nebst der gesamten Hofstatt, nach Ebersdorf zur heiligen Maria, damals wegen der Wallfahrt sehr berühmt, hielten allda Gott und der heiligen Jungfrau zu Ehren ein sonderlich Dankfest für die gnädige Beschützung und Erhaltung der beiden Prinzen und ließ zum Andenken die Kleider der Prinzen , wie auch des Köhlers Kappe, wie sie solche zur selbigen Zeit getragen haben, in der Kirche daselbst aufhängen... Solche Kleidung hängt noch heutiges Tages in dieser Kirche; Sie ist aber etwas zerfallen, und wenn man nicht die Beschreibung davon hätte, so könnte man jeso fast weder Farbe noch Muster erkennen“ So sagt um das Jahr 1760 der Chemnitzer Chronist Richter. Da seine Mitteilungen im ganzen heute noch zutreffen, haben sie hier Platz gefunden. Wir aber fügen hinzu, daß im Jahre 1855 am 15. Juli zur Erinnerung an jenes Ereignis in der Ebersdorfer Kirche ein feierlicher Gedenkgottesdienst gehalten wurde.
Der Volksmund verband früher auch den Namen „Fürstenweg“ für einen Pfad der von Leukersdorf über Neukirchen, Stelzendorf, Kappel nach Chemnitz hereinführte, mit dem Prinzenraub. Auf dem Wege soll der Prinz Ernst von der Prinzenhöhle her nach Chemnitz gebracht worden sein.

Wir waren wirklich in O…

Ein, der wohl erste erhaltene Reisebericht über Rabenstein aus dem Buch: „Reiseerinnerungen von Friedr. De la Motte Fouqué und Caroline de la Motte Fouquè.“.
In selbigen berichten der Dichter der Undine und seine Frau über eine Reise, welche sie von ihrem Herrschaftssitz in Nennhausen bei Berlin über Dresden nach Prag und Karlsbad führte. Auf dem Rückweg war ein Besuch bei Friedrichs Freund und ehem. Kampfgefährten, dem auf Oberrabenstein lebenden Freiherrn Georg Ludwig von Welck geplant. Betrachtet man die im Vergleich zum Gesamtbuch umfangreichen, und poetisch ausgeschmückten Texte über den Besuch hier, so muss die Stippvisite das schreibende Ehepaar außerordentlich beeindruckt haben. Im entsprechenden Text heißt es:

Reiseerinnerungen
...von der wüsten Pracht des böhmischen Gebirgszuges sehr fühlbar macht.
Nach Chemnitz ging nun eigentlich unser Weg nicht. Zu den Freunden in O… wollten wir, da waren wir schon am Vorabende erwartet. Keiner von uns kannte den Ort und seine Lage anders, als aus Bildern. Wir wussten nur von einer alten, verlassenen Burg, und einem unfern davon errichteten neuen, schönen Wohnhause. So recht war der Postillion auch nicht mit sich eins, wohin er uns fahren sollte? Von der Chausée ab, wieder in das Gebirge hinein mussten wir, so viel war gewiß, darüber hatten auch unsere Führer keinen Zweifel. Sie lenkten also in Gottes Namen seitwärts hin; dort drüben, zwischen den schwarzen Tannen, ganz auf der Höhe, schimmert ein grauer Thurm, ob das O… ist? Die alte Burg vielleicht? Der Postillion wusste es nicht. Sein Gefährte aber versicherte, ja! In unsichrer, mehr und mehr gespannter Erwartung fuhren wir weiter, Der Weg windet sich mannigfach. Die Burg schien zurückzutreten, Dörfer mit graden Kirchthürmen schoben sich davor. Wir waren jetzt in einer Obstallee. Rechts und links lebendige Hecken, Gärten und Anger einschließend, hin und her Häuser; der Blick ward durch naheliegende Gegenstände gehalten, der Vordergrund deckte das Fernstehende. Plötzlich stoßen beide Postillione in die Hörner, wir kommen einen kleinen Abhang hinunter, durch ein grünes Laubthor über eine Brücke, mitten in ein märchenhaftes Traumbild hinein. Wo sind wir denn? Rufen alle. Niemand antwortet. Das geheimnißvolle Schweigen macht die unsichern Empfindungen noch wankender. Wäre es möglich? Giebt es so etwas? Hegen die räthselhaften Berge wirklich noch Wesen, die im innern Einverständniß mit der Natur Feenkünste üben? Und sind wir auf unbegreifliche Weise in solche Zauber hineingerathen? Schüchtern blickten wir umher. Von beiden Seiten schließen hohe Berge die schmale Schluft ein, Rechts dem Einfahrenden hebt sich auf felsigem Stein eine wohlerhaltene Burg. Dunkler Epheu umrankt Fels und Gemäuer, riesige Schwarztannen wölben ihre Aeste unterhalb in einander. Zwischen ihren Stämmen leuchten im Halbkreise dichte Büsche blühender Hortensien, frischer Rasen füllt die Mitte, Blumenstücke laufen umher, den ehemaligen Burgzwinger fasst ein Reihe von Malven, Georginen und andere stautenartige Gewächse ein, die ihre Blüthenkelche in dem länglichen Teiche zunächst der Durchfahrt spiegeln. Links an dieser ragt ein dunkles Waldgebirge empor, an dessen Fuß sich ein offner Pavillon über Rasenstufen erhebt. Blumengeländer führen hinauf, weiße Steinsitze bieten dem Vorübergehenden Ruhe und sanfte Kühlung. Fern herüber hört man das Rauschen eines Wasserfalles, den der vorragende Fels verdeckt.
Alles sonst war umher still und lautlos. Kein lebendes Wesen ließ sich sehen. Jetzt kamen wir durch das zweite Thor, die Straße führte eine Anhöhe hinauf, der Wagen fährt in den Hof auf die Rampe, hält vor einem ansehnlichen Landhause.
Wir waren wirklich in O… Das sagt uns von nun alles, der vielgeprüfte Freund, die schönsten Kinder, die junge liebenswürdige Hausfrau, das Wesen und Athmen innig empfundener Freude; wir waren da, wo uns Herzen entgegenschlugen, wo ohne Zauberei Liebe und Güte zauberisch bestricken!
Von den Tagen hier ließe sich nun Mancherlei erzählen, doch bleibe in den stillen Bergen, was dort verwachsen, nur im Herzen gedeihet.
Wie oft wir späterhin in jenem kleinen Feengarten waren, drin lebten und immer nur mit Mühe uns herausrissen, wie es in der Burg selbst ist, wie einst die alten Böhmenritter hier hausten, was die gewaltigen Mauern erzählen, der Blick von oben herab, verräth, der schäumende Wasserfall unten im Gebüsch flüstert - ein tiefsinnig Gedicht webt sich davon zusammen, und wollte ich nun verrathen, was ich im Abendschatten links an dem Burgfenster sahe, wie drauf im Traume die Gestalt mir erschien, was sie mir entdeckte, wie sie, zu ewigem Jammer verdammt, den feurig jungen Ritter beweint, der vor den Augen eines wild fremden, hier vorüberziehenden Fräuleins bestrickt die frühere Jugend-Verbindung zerriß, noch umherirrt, jene zu suchen und, nur alle Jahre einmal in die väterlichen Hallen zurückkehrend, an der Seite der sanften Leidensgefährtin sein verwildert Gemüth zu sänftigen, wollte ich das mit Farben, wie nur die Geisterwelt sie hat, hier malen, das fremde Fräulein, den Ritter beschreiben, des Auszugs aus der Burg gedenken,- ich würde Bände füllen und das Unerhörte nicht wiedergeben, wie ich es empfing. Stehn mag es hier gleichwohl, daß eines Abends, an welchem die glänzende Gegenwart ein schattiges Dunkel auf die alte Mauern warf, ein Feuerwerk, auf jenem länglichen Teiche abgebrannt, die Burg in wunderliche Rauchnebel hüllte, daß ich den Ritter damals sahe. Er lehnte auf dem Söller. Ein Pilgermantel hing ihm über die Schultern, etwas, wie eine Mönchskutte bedeckte Haar und Kopf, nichts als die brennenden Augen waren kenntlich. Er schlich späterhin durch die Menge der Zuschauer hin. Vielleicht wähnte er das fremde Fräulein hier zu finden.
Gab schon das Feuerwerk zu solchen Spukereien Anlaß, so öffnete folgenden Tages die Erleuchtung des ganzen Thales allen luftigen Berg- und Wassergeistern von selbst den Zugang. Etwas Reizendes giebt es nicht, als bunte Lampen zwischen diesen Blumen, in der Tannenwölbung, in den Felsspalten, auf dem Rasen und dem Wasser zu sehen. Und wie sich der berauscht Umherwandelnde von einer Kapelle, tief in der Steinvertiefung angebracht zurückwendet, den dunkeln Gang um die Burg an dem Wasserfall suchend, da blitzt dieser silbern zwischen überhangenden Baumzweigen, losgespülten Wurzeln, hinter flammendem Heerdesfeuer herüber. An dem Feuer sitzt ein ehrbares Fischerpaar; ausgespannte Netze lassen die Gestalten nur dämmernd unterscheiden, wunderlich nehmen sich die knorrigen Stämme in abenteuerlicher Verschlingung und Verkürzung hinter ihnen aus. Kühleborn und seine Diener die Undinchens Pflegeeltern belauschen? die Nähe des neckenden Alten regt sich in den Elementen! Wie schwarz und ungeheuer das Steinschloß im Gegenschein der Flamme emporragt! An den Scheiben glinzerten bläuliche Lichter! Der Luftzug des Feuers rauscht in den Tannen, weiße Rauchwolken kreisen bis zur Zinne hinauf. Unterwärts der bunte Garten, hier die Mährchenwelt in´s Leben tretend, und über dem allen die ewigen Sterne in einzelnen grüßenden Blitzen. Unvergeßlicher Abend! unvergeßlich, wie jede reine Freude, die teferm Quell entsprungen, ein heiteres Dasein verbreitet!
Ehe ich von dem reizenden O… scheide muß ich noch einmal, von einer gewissen Linde aus, die ganze Gestaltung der Gegend in einen festen Blick zusammenfassen. Das Chemnitzer Thal liegt hier mit seinen langen, in einander fortlaufenden Dörfern, den grünen Umbüschungen und unzähligen hell spiegelnden Teichen, in weiter Ebene ausgebreitet da. Hinterwärts sieht man die bömischen Berge. Bläulich fass sie den Horizont ein. Die weißen Häuser und Thürme, durch jenen Höhendunst scharf bezeichnet, treten fast blendend hervor, funkelnd schillern die runden Wasserspiegel am Fuße der fastgrünen Bergwiesen. Bauerhöfe und Gärten fassen lebendige Hecken ein, meist von kurz gehaltenen, einzeln pyramidalisch hervorragenden Tannenumzäunungen gebildet, die dunkln Streifen durchschneiden die Landschaft im Vorgrunde auf das lebendigste, so daß alle Mischungen des schattigsten, wie des hellsten Grüns, sich malerisch abstufen.
Von einem anderen Lieblingssitz übersahe ich in entgegenlaufender Richtung das Thal nach Chemnitz hinauf, indem ich mir gern die reinliche, wohlhabende Fabrikstadt mit ihrem herkömmlichen Gebräuchen, dem begründeten Familienreichthum, dem Fleiß, welcher diesen Ursprung und Fortgang gab, die heitere Vergnüglichkeit, kurz das bürgerliche Leben in Würde und Bestand zurücklief. Vor wenigen Tagen waren wir hinübergefahren, hatten das Wesen dort kennen gelernt, uns an nützlichen Stiftungen und fortgehen dem Wohlstand erfreuet, von welchem, nächst der Erweiterung des innern und äußern Verkehrs, neu errichtete Gebäude und namentlich das Casino einen lebhaften Beweis geben. Es ist dem Unkundigen nicht immer leicht, sich in eine ganz fremde Art und Weise sogleich zu finden. Wenig durch Neigung und Lebensbeziehungen auf den Geist der Fabrikthätigkeit gerichtet, vermag ich ihn nur, als vielleicht nothwendig geworden anzuerkennen, ohne ihn im Einzelnen nach seinem vollen Werth zu verstehen! Mir kommt alles hier wie eine große Maschine vor, über deren nothwendiges Ineinandergreifen ich erstaune, ohne es zu bewundern. Gleichwohl fühle und bekenne ich dies als ein Fehler, da mich anderer Seits das Mechanische im jeglichen Gewerbe, und namentlich in jedem Verein zusammenwirkender Kräfte, so wenig stört, dass ich bei Feld- und Hausbau, und allem, was in der gesetzlichen Folge des Hervorbringens schaffen und gestalten hilft, mit ungetheiltem Interesse verweilen, mich bekehren und in das Gelernte verlieren kann. Was ist es nur in den Fabrikhäusern, was mich so ängstet? – Vielleicht in Vorurteil! Vielleicht das Fremde, zu dem man immer einseitig steht!

Wenn auch mit poetisch übersteigerter Untermalung, ist doch dieser Reisebericht nach das wichtigste Zeitzeugnis des 19th Jahrhunderts, im Bezug auf unseren Ort vor der Industrialisierung.
Man kann sie noch vor sich sehen, die kleinen geraden Kirchtürme jener Zeit (auch die neue Rabensteiner Kirche wurde erst 30 Jahre später erbaut). Nach der Beschreibung fuhren die  Fouqués mit der Postkutsche über die alte Bergstraße und den Rennsteig nach Oberrabenstein. Über den Dorfbach führte noch eine Brücke in den Schlosspark.
Auch über die Herrschaft auf Oberrabensteins, die Familie von Welck sagt uns der Bericht einiges, sie waren hervorragende Gastgeber und entwickelten den von, von Welcks Vater angelegten Park zu einem kulturellen Kleinod.
Im krassen Gegensatz zum magisch-verklärten Oberrabenstein, scheint die sich im frühen industriellen Aufschwung befindende Stadt Chemnitz bei dem dichtenden Paar befremden, ja sogar Zukunftsängste geweckt zu haben. 

                    Quelle:Reise-Erinnerungen : 2 Theile / von Friedrich de la Motte Fouque u. Caroline de la Motte Fouque, geb. von Briest

Der Erste ist der Esel!

Da wo heute an der Kreisigstraße eine kleine Brücke mit einem hölzernen Esel als Denkmal steht, führte einst die uralte Bergstraße auf einer geschwungenen Bogenbrücke über den Taleinschnitt der Oberrabensteinbahn. Auch wenn diese Brücke für ihre Zeit ein recht modernes Bauwerk war, wäre ihr allein dafür wohl kein Denkmal gesetzt worden, sie verdankte ihren legendären Ruf einer Geschichte, der ihrer außergewöhnlichen Weihe.

Am ,3. Kirmesfeiertag des Jahres 1897, einen "blauen Montag", sollte die Brücke eingeweiht werden. Wobei anfangs die Brückenweihe wohl eher Mittel zum Zweck war, denn die Rabensteiner Strumpfwirker suchten nach einer günstigen Gelegenheit ihre neuen Meister und Gesellen gebührlich zu feiern. Organisiert hatte das Ganze der Strumpfwirkermeister Hermann Kühn mit seinen Gesellen. Sorgfältig war vorher "an einem geheimen Ort" ein alter ,,15nädliger Wirkstuhl" in seine Einzelteile zerlegt worden. Das Obergestell, wurde auf den Schleifwagen des Gastwirts Ernst Dittrich geladen, dessen Esel den Wagen auch zog. Die kleineren Teile wurden auf 21 Schiebböcke (Holzschubkarren) verladen.

Am Morgen formierte sich der Zug am Gasthof Oberrabenstein, von da zog man dann, der Esel voran die „Gaߓ hinauf und über den damals noch durchgängigen Rennsteig zur neuen Brücke. Hier war es schließlich dieser Esel welcher als erster die neue Brücke betrat. Umringt von vielen Rabensteinern, baute Kühn den Wirkstuhl fachgerecht zusammen. Nun sollte ein Lehrling auf dem Gerät seine Gesellenprüfung ablegen, welcher allerdings kläglich scheiterte, danach war Albin Tauscher an der Reihe er sollte sein Meisterstück wirken was ihm auch gelang. Nun schlug die Stunde von Strumpfwirkerobermeister Carl Arnold, einem ausgesprochenen Spaßvogel. Er soll eine humorvolle Festrede gehalten haben, in der er die Brücke auf Eselsbrücke "taufte". Anschließend konnten sich die Gesellen gegen eine Gabe in die Innungdlade auf dem Wirkstuhl austoben, bis einer kam welcher nicht breit war, dafür zu zahlen. Daraufhin nahm ein anderer Geselle einen Eimer voller Wasser und goß ihn über Geselle und Wirkstuhl aus, was diesen wiederum unbrauchbar machte. Daraufhin wurde die Maschine von den Wirkern komplett zertrümmert. Da zu dieser Zeit noch eine hölzerne Baude für die Gleis- und Brückenbauer an der Strecke stand, wurde dort sogleich der Inhalt der Innungslade auf den Kopf gestellt. Nachdem das extra geschlachtete Schwein so wie die Biervorräte aufgebraucht waren zog man zurück zum Gasthof wo in der sogenannten „Quarkmühle“ bis gegen Mitternacht weiter gefeiert wurde. Die „a wing abgesackten“ Saufbrüder wurden dann von den noch Gehfähigen auf den Schiebböcken nach Hause gekarrt.


Die Einweihung der Eselsbrücke hatte aber auch später noch lange ihre Nachwirkung auf die Kinder und Jugendlichen in Rabenstein und Umgebung. Wenn diese in Gruppen über die Eselsbrücke liefen, wollte keiner der Erste sein … denn wer war schon gerne der Esel?!

Warum Rabensteiner DKW Fahrer schneller waren als andere.


Von Frieder Bach
...Beim Schreiben der Namen Hans Friese und Elite-Diamant kommt mir im Zusammenhang mit dem Motorradsport eine Anekdote in Erinnerung, die mir der schon vor einigen Jahren verstorbene, motorsportbegeisterte Helmut Fohl aus meinem heimatlichen Ortsteil Rabenstein einst berichtete und die ich den Lesern dieser Zeilen nicht vorenthalten möchte.
Ich erhielt von der Tochter des Konstrukteurs Erich Rüger zwei Fotos. Eines zeigt ihn an seinem Arbeitsplatz, dem Zeichenbrett, sitzend mit Geschenken zu seinem Jubiläum vierzigjähriger Betriebszugehörigkeit bei Elite-Diamant. Das zweite zeigt ihn zum gleichen Anlass mit seinem Chef, dem Hauptkonstrukteur des Fahrradbaus bei Diamant, Hans Friese.
Vor seiner langjährigen Arbeit bei dem Fahrradproduzenten in Siegmar arbeitete er beim Konkurrenten, den WandererWerken. Zur Gründung der Auto Union wurde er übernommen und war als Einfahrer für DKW-Motorräder tätig.
In dieser Zeit wurden alle Motoren auf der Straße etliche Kilometer Probe gefahren und kamen dann in ein neues Fahrgestell und damit zum Verkauf Wenn in Rabenstein jemand ein DKW-Motorrad kaufen wollte, ging er nicht zum Händler, sondern zum Rüger Erich. Der gab in nächster Zeit acht darauf, welcher Motor besonders gut lief und viel Leistung brachte. Die Unterschiede waren damals noch durch große Fertigungstoleranzen bedingt, besonders beim Guss der Zylinder. Lief also einer von Anfang an richtig gut, kam ein Zettel dran mit dem Namen des zukünftigen Eigentümers und jener erfuhr dann von Erich, bei welchem DKW-Vertreter er sein vorgemerktes Motorrad abholen konnte. So ergab es sich mit der Zeit, dass alle Rabensteiner DKW-Fahrer schneller waren als die restlichen Chemnitzer!...

Diese Anekdote stammt aus Frieder Bachs Buch “ Fahrzeugspuren in Chemnitz”. Das Werk, welches für Technikbegeisterte ohnehin muss ist, besticht noch aus einem ganz anderen Grund. Meine, unsere Generation “DDR“ wurde im schlechten Gewissen der deutschen Kriegsschuld erzogen, für Heimatliebe war da kein Platz. Bach erzählt, auf unterhaltsame Weise, ohne politische Wertung wie hervorragende Chemnitzer Unternehmer und Techniker unter den schwierigsten Bedingungen, von Kriegen, Weltwirtschaftskrise und DDR Mangelwirtschaft große Leistungen vollbrachten. Dies spendet der Chemnitzer Seele mehr Wärme als die vielen teuren, nur schwer verdaulichen Imagekampanien.

Der Ried-Funk der Gesellschaft Hustensaft

Im August des Jahres 1958 ging der erste und einzige Piratensender Karl-Marx-Stadt´s in Rabenstein auf Sendung. Mit ganzen 15 Jahren baute unser pfiffiger Elektronik- und Musikfan Dieter Schaal seinen eigenen Sender.
Da Radiogeräte in der Nachkriegszeit teuer und eh Mangelware waren, hatte er schon seit einiger Zeit selbst Empfänger gebastelt. Von den Geldgeschenken seiner Jugendweihe kaufte er sich schließlich ein BG19-Tonbandgerät, ein UKW-Radio und ein Mikrofon dazu. Um die beliebten West-Sender in guter Qualität aufzeichnen zu können, baute Dieter eine drehbare Antenne auf das Haus seiner Eltern und schließlich den Mittelwellensender selbst, als Sendantenne wurde die Dachrinne genutzt.
Ursprünglich nur für die Hausgemeinschaft am Ried gedacht erreichte der Sender schon bald den ganzen Ort Rabenstein. Nach dem markanten Intro mit der Ansage "hier ist der Ried-Funk der Gesellschaft Hustensaft", folgten vor allem Tanzmusik und Schlager aus den westlichen Quellen, aber auch Glückwünsche für Jubilare und Grüße kamen über den Äther. Dieter sendete immer sonntags zwischen 9:00 und 14:00Uhr, aus gutem Grund, in dieser Zeit spielten die "offiziellen" Sender meist Kirchenmusik, doch die Leute wollten auch in dieser Zeit lieber Unterhaltungsmusik hören. Der Freundeskreis von "Radio Hustensaft" wurde immer größer, es gab die ersten Wunschsendungen, wer Dieter traf sagte, was er gern hören wollte und am nächsten Sonntag war der gewünschte Titel im Programm. Einmal rief Dieter seinen Vater, welcher gerade in der Nachbarschaft unterwegs war über den Sender, da er zu Hause noch dringende Aufgaben zu erledigen hatte. Dieser kam daraufhin auch, allerdings mit einiger Verspätung, da er auf dem Weg von jedem gefragt wurde, ob er den schon alles erledigt habe.
Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Ordnungsmacht Wind von dem Piratensender bekommen musste. Aber immerhin 9 Monate war Dieter Schaals "Ried-Funk" auf Sendung, bis schließlich ABV Thumeyer Wind von der Sache, bzw. kalte Füße bekam und den Sender verbot. Da unser ABV aber keineswegs ein politischer Hartliner, sondern eher der Jugend zugetan war, ging Dieter straffrei aus, lediglich die Maßgabe sein Talent doch jetzt für gesellschaftliche Zwecke einzusetzen wurde ihm aufgetragen.
Letztlich war der Piratensender Rabensteins sein Sprungbrett zum Traumberuf, nach der freiwilligen Tätigkeit im Schulfunk, bei den Arbeiterfestspielen und dem Stadtfunk Karl-Marx-Stadt, folgte, wie sollte es anders sein die Ausbildung zum Tontechniker und Rundfunkmechaniker, später der Tonmeister.
Nun konnte unser Dieter viele der Stars, welche er früher illegal spielte persönlich bei seiner Tätigkeit im Kulturpalast und später der Stadthalle kennenlernen. Nebenbei „therapierte“ er als selbstständiger Rundfunkmechaniker unsere kaputten Geräte aller Art, was ihm bei den Rabensteinern einen scherzhaften (Radio) Doktor Titel einbrachte.
Die Frau fürs Leben hat er in der aufregenden Zeit leider nicht gefunden, was er oft bedauert.
Heut mit über 70 könnt ihr ihn "Dr. Schaal" noch des Öfteren im Rabensteiner Fritz Theater als Tontechniker, zuweilen sogar auf der Bühne erleben. Auch am guten Ton für die Rabensteiner Kirche ist er beteiligt.

Deshalb,
  Danke Dieter!

Mord am alten Weinberg

Es mag ja auch in der Metropole Chemnitz Gegenden geben, wo des Öfteren einer oder eine, eines nicht ganz natürlichen Todes stirbt, doch im beschaulichen Vorort Rabenstein ist ein solch abscheuliches Verbrechen zum Glück auch nach einem halben Jahrhundert noch eine Seltenheit, aber doch geschehen.
So sprechen noch heute viel Rabensteiner, wenn der Weg „Am Alten Weinberg“ gemeint ist vom Mörderweg. Tatorthintergund
Im Jahre 1966, als dieses grausige Verbrechen hier geschah, war dieser Weg alles andere als die schöne, von Birken gesäumte und des Nachts beleuchtete „Flaniermeile“ von heute. Der Weg welcher, dem Unritzbach folgend vom Pelzmühlenteich in Richtung des Rabensteiner Waldes verläuft war damals dunkel und steinig. Das nächste belebte Gebäude, die Frauenklinik lag ca. 100m entfernt hinter hohen Zäunen und dichten Hecken im Wald des Rabensteiner Krankenhauses verborgen. Da wo sich heute schmucke Gärtchen entlang des Baches erstrecken, war in jener Zeit die Halde einer großen Mülldeponie. Auf diese verbrachten Betriebe, aber auch die Anwohner ihren Unrat. Doch mansch einem war auch damals schon der Weg zum anderen Ufer des Baches zu beschwerlich, sodass er sich seines Mülls gleich am Wegesrand, vornehmlich in dem kleinen alten Steinbruch nach dem Krankenhauses Gelände entledigte. Selbst der heut glasklar dahin plätschernde Unritzbach war damals eine von Industrie- und Hausabwässern bunt gefärbte, übel stinkende, dahin wabernde, tote Brühe. Wenige Meter nach dem sauberen, hell erleuchteten Kulturpark war der Weg die ideale, düstere Kulisse für einen Horrorstreifen.

Leider wurde genau diese Szene in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1966 grausige Wirklichkeit. Es war ein warmer frühsommerlicher Tag, der Wetterbericht vermeldete sonnig und trocken bis 28°C die Nacht bis 23°C. Alle freuten sich schon auf den kommenden Feiertag, Himmelfahrt am 19. Mai.
Gegen 22:00Uhr, als im Kulturpalast noch für die Show „Keine Angst vor großen Tieren“ zum Tierparkfest geplant wurde, steuerte die Lehrerin Gertrud K., auf ihrem Heimweg, von der Unritzstraße aus eben diesen düsteren Weg „Am alten Weinberg“ an. Nichts ahnend lief sie entlang dem Krankenhauszaun, als sie schon die Lichter am Carolabad, nahe ihrer Wohnung sehen konnte, tauchte eine Gestalt aus dem Dunkel auf. Noch immer ahnte sie nichts Böses, erst als sich der Gegenüber auf sie stürzt und in das Dickicht zerrt packt sie panisches Entsetzen. Die 52 jährige Frau wehrte sich heftig, schrie und versuchte Teile des umliegenden Schutts zu fassen, doch der Angreifer drückte ihr die Kehle zu, sodass ihre Schreie langsam verstummten. In Todesangst trat und schlug sie so heftig sie noch konnte, da ergriff der Mann die Reste eines alten Tontopfes und schlug der Frau auf den Kopf, sodass diese das Bewusstsein verlor. Jetzt konnte er sich ungehindert an dem wehrlosen Opfer vergehen. Nachdem er seinen perversen Trieb befriedigt hatte, wurde ihm sein Tun bewusst. Er ging zurück auf den Weg um zu sehen, ob seine Gewalttat vielleicht von anderen beobachtet oder möglicherweise die Hilferufe der Frau erhört wurden. Dies schien nicht der Fall. Doch jetzt kam das Opfer langsam wieder zu Bewusstsein. Auch sie suchte den Ort des Schreckens so schnell als möglich zu verlassen, nicht wissend, genau da ihrem Peiniger in die Hände zu laufen. Umso größer war der Schrecken, als dieser vor Ihr stand, ein geller Aufschrei ward ihr Schicksal. Obwohl immer noch benommenen, versuchte sie so schnell als möglich weg zu laufen. Doch der Täter fand schnell, zu schnell einen alten Zaunpfahl und schlug damit sofort brutal mehrmals auf das wehrlose Opfer ein, tödlich getroffen sank die Frau zusammen.
Erst am nächsten morgen wurde das grausige Verbrechen entdeckt. Sofort begann die Kriminalpolizei mit ihren Ermittlungen. Was hier, in diesem Fall, für die sonst bei Gewaltverbrechen sehr verschlossene DDR fast einmalig erscheint, ist die sehr frühe Einbeziehung der Bevölkerung. Dieser sicher schwierigen, aber weisen Entscheidung war mit Sicherheit auch die schelle Lösung des Falles zu verdanken.
Zuerst musste die Tatwaffe gefunden werden, was inmitten des vielen Mülls der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen glich. Schon da bat die Polizei Arbeiter der nächstgelegenen Betriebe um Hilfe. Diese gingen in Gruppen auf Suche und fanden schnell den blutverschmierten Knüppel. Am Freitag nach Himmelfahrt titelte die „Freie Presse“ zwar gewohnt „Bonn Unruhestifter Nummer eins in der Welt“, doch im Regionalteil fand man einen ungewohnten Hilferuf, unter der Überschrift „Wer kann Angaben machen“ war zu lesen:
“In den Morgenstunden des Mittwoch, 18. Mai 1966, wurde die 52 .Jahre alte Lehrerin Gertrud K. in Karl-MarxStadt-Siegmar auf dem Verbindungsweg . zwischen Rabensteiner und der Unritzstraße, Am alten Weinberg, tot aufgefunden. Es liegt ein Verbrechen vor.
Die. Bevölkerung. wird gebeten. die Vollksplolizei in ihrer Arbeit zu unterstützen und auf folgende Fragen zu achten:
1. Wer hat in der Nacht zum Mittwoch, 18. Mai 1966; :zwischen 21.00 und 23.00 Uhr die Straße der Freundschaft, Rabensteiner Straße, Unritzstraße, Weg Am alten Weinberg (auch Birkenhain genannt) oder die Umgebung dieser Straßen benutzt?
2. Wer hat die Genannte zur vorerwähnten Zeit gesehen? Es handelt sich um eine 52 Jahre alte Frau von mittelgoßer, kräftiger Gestalt. graues, gewel1tes Haar. Sie trug eine hellgraue Wolljacke, ein türkisfarbenes Kleid, weiße Söckchen und weiße Riemchenschuhe. und führte eine modefarbige, beutelförmige Tasche bei sich (Kunstleder).
3. Wer hat Personen gesehen, die durch ihr Verhalten auffielen, oder wer hat in dieser Umgebung andere verdächtige Wahrnehmungen gemacht?
4. Wer hat in der Nacht zum Mittwoch, 18. Mai l966, oder im Verlaufe der folgenden Morgenstunden Personen deren Bekleidung mit Blut beschmutzt war?
Hinweise werden auf Wunsch vertraulich behandelt und sind zu richten an die Abteilung K des VPKA Karl-Marx-Stadt. Fernruf 34541,App. 278, oder an jede andere Volkspolizeidienstelle.”

Und tatsächlich meldeten sich Rabensteiner , welche zwei Verdächtige im Wald gesehen hatten die heimlich Liebespaaren nachstellten, um diese möglichst beim Sex zu beobachten. Wie sich über den kriminalistischen Abgleich herausstellte, war einer der seltsamen Spanner ein alter Bekannter, der 37 jährige Hilfsarbeiter „Paul Beirau“. Der Mann hatte schon 14 Vorstrafen, wegen Sexual- und Gewaltdelikten angesammelt, und wie die weiteren Nachforschungen belegten, war er auch, mit seinen ständig wechselnden Geliebten und immerhin schon drei Ehefrauen äußerst brutal umgegangen.

Die Tat selbst stellte sich nach den Ermittlungen so dar: Beiraus Kumpane hatte Liebespaare ausgespäht, welche sich regelmäßig im Wald vergnügten und ihn zur gemeinsamen Beobachtung animiert. Doch Beirau war kein typischer Voyeure, sondern ein gewalttätiger Sadist, er lud sich an den Szenen auf und über das nächste weibliche Wesen, welches ihm begegnete, dies war Gertrud K. entlud sich dieser aufgestaute Trieb, in dem Fall mit tödlichem Ausgang.

Die brutale Tat sorgte in der Bevölkerung für Unruhe und Besorgnis, wohl auch, da es in dem Karl -Marx-Stadt der 60er Jahr schon eine ganze Reihe ungeklärter Sexualdelikte gab. Dies war sicher auch einer der Gründe für das Gericht in diesem Falle die Höchststrafe zu verhängen. Auch das Beirau in seiner Kindheit selbst unter einem gewalttätigen Vater litt fand keine Berücksichtigung.
Der Staatsanwalt verwies auf die "grenzenlose Missachtung des menschlichen Lebens" welche die Tat des Angeklagten zeige. Am 15. April 1967 fällt das Urteil am Bezirksgericht Karl-Marx-Stadt, die Todesstrafe.
Noch hoffte Beirau mit seiner Berufung beim Obersten Gericht der Deutschen Demokratischen Republik auf Gnade, doch diese wurde ihm nicht gewährt. Wie erst nach dem Ende des DDR Staates bekannt wurde, bestätigte Walter Ulbricht, seinerzeit Staatschef des eingemauerten Landes persönlich das Urteil.

Paul Beirau starb am 6. September 1967 in der zentralen Hinrichtungsstätte der DDR, in der Leipziger Alfred-Kästner-Straße unter dem Fallbeil, einer alten Guillotine, einem „Erbstück“ aus der NS Zeit. Seine Hinrichtung war eine der Letzen auf diesem Gerät. Da es oft versagte, so dass es zwei oder drei Anläufe brauchte, ehe der Delinquent tatsächlich tot war, ging man ab 1968 zum „unerwarteten Nahschuss“ über. Ob seine Hinrichtung auch die makabere Variante der drei „unerwarteten Versuche“ war ist nicht überliefert.

Quellen der Geschichte waren: das hervorragende Buch „Der Frauenrumpf im Mühlenwehr“ von Jens Eumann, so wie die Aussagen von Zeitzeugen. 

Zitronen in kleinen Schweinen

Soll echt passiert sein ! In jener Zeit als Freddy noch hinterm Tresen der Wurzelschänke stand.

Ja, mal wieder hat uns jemand eine angeblich wahre Geschichte erzählt wir mögen sie auf Anhieb nicht so recht glauben, aber immerhin ist sie sicher nicht ausgefallener, als so manches was an Stammtischen und Tresen erzählt wird.Freddy-Wurzelschänke

Da soll doch an Freddys Stammtisch, ein völlig durchgeknallter Typ gesessen haben, der für ein Bier den Leuten etwas zeigen wollte, was noch niemand je gesehen hätte. Bis hierher nichts Ungewöhnliches, denn bei Freddy hingen laufend Typen rum, die für ein kostenloses Bier die allerbescheuertesten Geschichten erzählten.

Dieser aber soll noch penetranter gewesen sein und so lange rumgenervt haben, bis er tatsächlich sein Bier kriegte. Daraufhin zog er ein kleines, lustiges Männchen aus der Tasche seines Parkas. Das war 30 cm groß, zog artig seinen Hut und sagte mit dünnem Stimmchen zu den staunenden Gästen:

"Guten Abend. Ich heiße Johannes Mario Simmel und bin als Schriftsteller in Österreich ziemlich bekannt."

Die Gäste waren baff. So etwas hatte tatsächlich noch keiner von ihnen gesehen.

"Wo hasten deen her?" Fragte Steffen (Dicker Finger). "So een willsch ooh hamm."

"Da musst du hinterm Hexenhaus entlang gehen," sagte der Inhaber des Männekens. "Gleich links hinter dem Waldkackhaus, die liegt eine alte, Kaffeekanne. Die muss noch von der alten Marlene stammen. Und wenn du an dieser alten Kaffeekanne reibst, dann erscheint dir das alte Moosmännchen vom Rabensteiner Wald, und das erfüllt dir jeden Wunsch."

Natürlich „düste“ Steffen gleich los, fand hinter dem Kackhaus die alte Kaffeekanne rieb daran, und tatsächlich erschien ein uralter, bärtiger, moosbewachsener Geist und fragte:

"Was begehrt ihr, Meister ?"

Steffen war total überrascht und stammelte nur:

"Was ich begehr? Wie wär' s n maa mit zehn Million in kleen Scheinen ?"

"No problema," sagte er Geist und –schwupp - diwupp - rannten um die Wurzelschänke, ohne Ende kleine Schweine rum und hatten alle eine Zitronenscheibe im Maul.

"Das ist aber wirklich ein ganz bescheuerter Geist," meinte Steffen später an Freddy' s Theke. "Irgendwie ist der Typ wohl schwerhörig."

"Klar ist der schwerhörig," sagte der Mann, der mit seinem kleinen Schriftsteller so viel Aufsehen erregt hatte. "'Klar ist der schwerhörig. Und wie! Oder glaubst du im Ernst, ich hätte mir einen 30 Zentimeter großen Simmel gewünscht ?" 

Ist doch wohl klar, dass wir am Wahrheitsgehalt dieser Geschichte zweifeln, so sind wir nach bekannt werden gleich selbst hinters Kackhaus geeilt. Doch da war nirgendwo eine alte Kanne zu finden. Sicher ist sie inzwischen in die Grube gefallen und versunken. Nun wird ein Freiwilliger gesucht der sie da wieder heraus holt.

Interessenten melden sich auf dem Campingplatz, Taucherausrüstung wird gestellt!