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Der Wechselvolle Weg von einer Urwaldsiedlung zum Tierpark Chemnitz.
Ursprünge
Der Ursprung Menschlicher Besiedlung im Gebiet des heutigen Tierparks liegt wahrscheinlich an die tausend Jahre zurück,
als unsere Gegend noch der dichte Miriquidi Urwald bedeckte. In jener Zeit so berichtet die Legende soll es hier schon eine Stammesansiedlung namens Oneritz gegeben haben. Der Name des
heute noch den Pelzmühlenteich speisenden Unritzbaches, der ursprünglich als Oneritz bezeichnet wurde, weist noch darauf hin. Allerdings nennt keine der aufgefundenen Urkunden einen Ort
dieses Namens. Man geht deshalb davon aus, dass das Gebiet der Oneritz von den, in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eintreffenden fränkischen Siedlern bereits als Wüstung (verlassene
Siedlung) vorgefunden wurde. Die Gründe hierfür könnten in den kriegerischen Auseinandersetzungen jener Zeit oder den schlechten Bodenverhältnissen im Oneritzgrund welche eine
Landwirtschaftliche Nutzung nicht zuließen zu suchen sein. So wahrscheinlich wie der Totenstein einst der Kultplatz der Ureinwohner war, dürften hier im Oneritz die Jagd und vor allem Fischgründe gelegen haben. Alle höher gelegenen Teiche im Rabensteiner Land sind erst später angelegt worden, nur hier in dem ausgedehnten Sumpfgebiet gab es sehr wahrscheinlich schon in früherer Zeit natürliche Teiche und Tümpel.
Die Mühle
Der älteste überlieferte Kaufvertrag das Oneritzgebiet betreffend, datiert auf den 22. November 1679, und beurkundet,
dass ein George Bilz (in anderen Unterlagen auch Pilz, Pielz oder Pieltz geschrieben) von einem Michael Gundermann "Hannß Horberth's Gärtlein" samt "Garthen Hauß" kaufte.
Es war vermutlich eine "wüste" (verlassene) Bauernwirtschaft.
Vorher hatte der Dreißigjährige Krieg (von 1618 bis 1648) auch die Herrschaft Rabenstein heimgesucht. Selbst in den
Folgejahren litt die Gegend um Chemnitz unsäglich unter Verwüstungen und Plünderungen. Die Einwohnerzahl in Stadt und Land ging beträchtlich zurück. Bürger und Bauern waren so verarmt, dass
noch Jahrzehnte nach Kriegsende städtische Behausungen und Bauerngüter in der Umgebung wüst lagen.
Biltz brachte das Anwesen wieder in Ordnung und kaufte noch "zwei Teichlein" dazu. Ihm wird zugeschrieben, hier
die erste Mühle errichtet zu haben, die in alten Unterlagen als Bilz oder Oneritzmühle bezeichnet wird. In einem Pachtvertrag 1807 wird erstmals die Bezeichnung Pelzmühle verwendet.
Die wundersame Abwandlung der Namen, von Bilz über Pilz nach Pelz, wie auch von Oneritz nach Unritz läst sich nur so
erklären, man schrieb damals nicht so stur nach den Regeln der Rechtschreibung wie heute sondern eher nach dem Munde, also so wie man es gerade aussprach.
Von der Mühle zum Ausfluglokal
Im Jahre 1853 kauft schließlich der Besitzer des Rittergutes Niederrabenstein Traugott
Reinhold Esche die Mühle.
In den folgenden Jahren herrschte eine emsige Bautätigkeit, denn 1855 und 1858 kaufte
Reinhold Esche noch sieben Parzellen dazu. In dieser Zeit muss auch der Tanz- und Konzertsaal, zumindest in seiner Grundform, entstanden sein, weil seit dem 10. April 1858
auf dem Grundstück der Pelzmühle das "Realrecht" ruhte. Das heißt, der Besitzer hatte das
Recht "zum Musik- und Tanzhalten". Offenbar hatte Esche die Zeichen jener Zeit erkannt.
Chemnitz avancierte im 19. Jahrhundert zum "Sächsischen Manchester", es entwickelte sich rasch zu einer wirtschaftlich starken Großstadt, deren Menschen zunehmend einen
wenn auch bescheidenen Wohlstand genossen. Von dieser Entwicklung profitierte vor allem das Gastgewerbe, Gaststätten mit großen Ballsälen schossen wie Pilze aus dem Boden.
1863 starb Traugott Reinhold Esche und im Jahr 1885, verkaufte Albert Esche, Traugotts
Sohn das gesamte Areal "samt Teichparzelle" an den Hotelier Gustav Theodor Helbig aus Chemnitz. Dieser eröffnete am 1
. April 1886 mit eigener Bewirtschaftung. Danach wurden erhebliche bauliche Veränderungen vorgenommen. So ließ er den
Garten verschönern und als Attraktion eine künstliche "Tropfstein Grotte" errichten. Die Gaststätte und der Saal erhielten
hölzerne Veranden, um den Gästen auch bei kaltem und regnerischem Wetter einen Ausblick auf den schönen Garten zu ermöglichen.
Der Aufstieg
Schließlich verkaufte Theodor Helbig die Pelzmühle 1889 an seinen, bei Ihm aufgewachsenen Neffen Arthur Peter.
Der 25jährige Peter war voller Ideen und Tatendrang. So dauerte es nicht lange, bis er
die ersten Veränderungen vornahm. Er ließ im Garten Wasserspiele, einen großen Kinderspielplatz und ein zunächst hölzernes Affenhaus als weitere Anziehungspunkte
erbauen. Den vorhandenen Gondelbetrieb auf dem Pelzmühlenteich ergänzte er durch ein kleines Dampfboot, das seinerzeit in unserer Region eine Sensation darstellte. Sein
kaufmännischer Spürsinn ließ ihn vorsorglich vom Rittergut Niederrabenstein noch eine beträchtliche Waldfläche dazukaufen, wohl um einerseits zu verhindern, dass
Industriebetriebe und die zu erwartende Wohnbebauung zu nahe an die Pelzmühle heranwachsen und die Idylle stören könnten, und andererseits wohl auch, um sich für
spätere Erweiterungen Flächen vorzuhalten. In jener Zeit gab es noch einen recht umfangreichen Waldbestand zwischen Siegmar und Rabenstein.
Die Mühle und die Brotbäckerei wurden 1891 aufgegeben und das altersschwache
Mühlrad abgebaut. Damit war die über 200 Jahre währende Mühlentradition, die der Einrichtung einst den Namen gegeben hatte, beendet.
Unter Arthur Peter entwickelte sich die Pelzmühle Schritt für Schritt zu einer der beliebtesten und meistbesuchten
Ausflugsgaststätten der näheren und weiteren Umgebung von Chemnitz.
Erste Anläufe zum Tierpark
Wie aus den Akten der Gemeinde Rabenstein hervorgeht, wurde am 26. August 1903 auf Anregung Arthur Peters und
eines Herrn Bruno Schmidt unter Leitung von Ortsvorstand Louis Wilsdorf im Börsenrestaurant Chemnitz ein "Verein zur Errichtung eines zoologischen Gartens in der
Pelzmühle" gegründet. Nachdem sich vorher 23 einflussreiche Herren als potentielle Mitglieder in eine Liste eingetragen hatten, waren elf der Einladung Wilsdorfs zur
Gründungsversammlung gefolgt, entschuldigt waren zwei, darunter der Pächter des Rittergutes Oberrabenstein, Friedrich
Schmidt. Dieser ließ Louis Wilsdorf schriftlich wissen, dass er mit der Mitwirkung des Baumeisters Georg Kosub nicht
einverstanden sei, da dieser dafür bekannt wäre, erst Geld zu verlangen, um dann nichts Brauchbares zu liefern. So
wollten dann auch die übrigen Herren, die sich in die Liste eingetragen hatten, zwar für mindestens vier Jahre
Mitgliedsbeiträge zahlen, aber keine persönliche Haftung übernehmen. Vermutlich daran scheitelte der Verein. Weitere Aktennotizen dazu gibt es nicht.
Als königliches Restaurant
Ein besonderer Höhepunkt für die Gaststätte war der 22. Dezember 1913. Anlässlich der Einweihung des
Bezirkskrankenhauses Rabenstein gab die Amtshauptmannschaft Chemnitz für die 109 geladenen Ehrengäste in der
Pelzmühle einen etwa 1 1/2 stündigen Empfang, der um 1/2 1 Uhr begann. Daran nahm auch Seine Majestät König
Friedrich August von Sachsen teil. Nachdem das "Königs- frühstück" im Saal eingenommen war, begab sich der König in
die Veranda, wo er bei Zigarre und Kaffee munter mit den Teilnehmern plauderte. Dabei äußerte er sich über die Lokalität
und die "vorzüglichen Darbietungen von Küche und Keller" sehr anerkennend.
In die „goldenen Zwanzigern“
In den Jahren des 1. Weltkrieges sowie in den Nachkriegsjahren gab es zunächst eine Stagnation, die keine weiteren
Bauabnahmen zuließ. Aber bereits im Jahre 1926 sind wieder recht umfangreiche Bauabnahmen durchgeführt worden.
Dazu gehören die weitere Verschönerung der Gartenanlagen, unter anderem mit neuen Terrassen, Blumenbeeten und
-Rabatten sowie weiteren Wasserkünsten, auch in Form von Wasserkaskaden. Der Ersatz des hölzernen Affenhauses durch ein massives sowie eine nochmalige Vergrößerung des Spielplatzes.
Jetzt fanden in den Gasträumen und in den parkartigen Gartenanlagen bis zu 3.000 Personen einen Sitzplatz. Zum
Stammpersonal gehörten sieben Familienangehörige, ein Konditor, drei Kellner, ein Hausmann, ein Tischler, ein Gärtner
und zwei Teichwärter. An Wochenenden, Feiertagen und zu besonderen Anlässen wurden zusätzlich bis zu 20 Aushilfskräfte eingesetzt. Beliebt und gut besucht
waren die sonntäglichen Tanzabende, das an jedem Mittwoch stattfindende Damenkaffee und viele Konzerte. In einer
betriebseigenen Gärtnerei wurden die für die zahlreichen Beete und Rabatten erforderlichen Blumen selbst gezogen. Eine
Niederdruckheizanlage wurde 1926 eingebaut, um die Heizung aller Räume und des Saales zu verbessern und zu
erleichtern. 1927 bekam der Eingang an der Nevoigtstraße auf Reichenbrander Flur ein vollkommen neues Gesicht.
Beiderseits des Eingangs ließ Arthur Peter Portale errichten, auf denen bronzene Hirsche standen. Auch an der
Einmündung der Pelzmühlenstraße in die Limbacher (heute Oberfrohnaer) Strasse ließ der Gastwirt einen Verkehrsteiler
mit einem röhrenden Hirsch aufstellen. Im Jahre 1928 konnte ein Garagenneubau zwischen Saal und Pelzmühlenteich in
Betrieb genommen werden, um auch den begüterten Gästen eine sichere Unterkunft für ihre Autos zu bieten. 1930 erhielt
die Pelzmühle eine Wasserklosettanlage, die an die gerade fertiggestellte, etwas höher gelegene Kläranlage der Gemeinde
Rabenstein an der Pelzmühlenstraße über eine Pumpstation angeschlossen wurde.
Die Pelzmühle war zu einem Markenzeichen für unterhaltsame und familienfreundliche Gastronomie geworden und damit
nicht nur im Umland von Chemnitz, sondern weit über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt. Das war vor allem auf die
Geschäftsphilosophie Arthur Peters zurückzuführen, seinen Gästen möglichst immer etwas Neues zu bieten und sie gut zu unterhalten.
Betrachtet man die Vielfalt des Angebots und die Ausdehnung der gesamten Anlage so hatte Peter mit den Möglichkeiten
seiner Zeit ein ersten Vergnügungspark geschaffen.
Schwere Zeiten
Im Jahre 1931 schrieb Arthur Peter in einer Notiz, dass sich der Umsatz in den Jahren 1930 und 1931 gegenüber 1929
halbiert habe und nicht einmal mehr Geld für notwendige Reparaturen vorhanden sei. Die geringeren Einnahmen wurden
von den Zins- und Tilgungszahlungen für die aufgenommenen Darlehen aufgebraucht. Ursache für diesen Umsatzeinbruch
war die Weltwirtschaftskrise mit der mit ihr einhergehenden Massenarbeitslosigkeit. Die Menschen hatten also andere Sorgen, als eine Gaststätte zu besuchen.
Mitte der 1930er Jahre entspannte sich die Situation wieder etwas. Größere Veränderungen sind aus dieser Zeit jedoch
nicht bekannt. Um mehr Geld für Instandhaltungsarbeiten zur Verfügung zu haben, verkaufte Arthur Peter 30.800 m² seines
Waldes westlich der Pelzmühlenstraße (hinter der Gärtnerei) 1938 als Bauland an die Gemeinde Rabenstein für 1 RM/m².
Wahrscheinlich verwendete er einen Teil des Geldes zum Erwerb eines neuen, teilweise geschlossenen Motorbootes, das
den Namen "Pelzmühle" erhielt, um seinen Gästen auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen Rundfahrten auf dem Pelzmühlenteich anbieten zu können.
1939 war für Deutschland und die Welt durch den von den Nationalsozialisten vom Zaune gebrochenen Zweiten Weltkrieg
ein schwarzes Jahr. Für die Pelzmühle begann eine andere Katastrophe bereits am 26. Juli 1939 in Form eines Unwetters,
das an diesem Tag, gegen 18.00 Uhr aus Richtung Grüna kommend, besonders über die Pelzmühle hereinbrach. Binnen
weniger Minuten lief der Pelzmühlenteich über, ließ den Damm zum Teil bersten und setzte die Pelzmühle meterhoch
unter Wasser. Die Damen, die - wie immer mittwochs - im Saal bei ihrem Damenkaffe saßen, wurden durch die Fenster
mit Ruderbooten in Sicherheit gebracht, noch bevor die Freiwillige Feuerwehr Rabenstein zum Katastropheneinsatz eintraf.
Diese musste zuerst den Konditormeister aus der im Keller gelegenen Konditorei befreien, bevor das Wasser bis unter die
Kellerdecke reichte. Die Schweine mussten aus dem Stall gerettet sowie die Fahr- und Motorräder, die die auf höher
gelegene Geländeteile geflüchteten Gäste zurückgelassen hatten, aus dem Wasser geholt werden. Schließlich wurden
Wanddurchbrüche nötig, damit das Wasser wieder abfließen konnte, und Decken mussten abgestützt werden, die
einzustürzen drohten. Alle Warenvorräte wurden vernichtet. Der Gesamtschaden belief sich letztendlich auf ca. 6.800,- RM. Das war damals sehr, sehr viel Geld.
Jetzt wusste der inzwischen betagte Gastwirt auch wieder, dass seine Pelzmühle samt Pelzmühlenteich auf Rabensteiner
Flur liegt, was er auf seinen Ansichtskarten jahrzehntelang nicht wahrhaben wollte. Er ließ aus Geschäftstüchtigkeit statt
"Pelzmühle Rabenstein i. Sa." immer häufiger "Pelzmühle bei Siegmar", "Pelzmühle, Station Siegmar" oder gar
"Pelzmühle Siegmar" auf seine Ansichtskarten drucken, was den Rabensteiner Bürgermeister Franz Wendt sehr ärgerte
und sogar dazu veranlasste, auf einige Karten handschriftlich den Vermerk "zu Rabenstein gehörig" zu schreiben. Der
Grund für diese falschen Angaben war klar: Nach Siegmar fuhren Eisenbahn und Straßenbahn; nach Rabenstein musste man laufen.
Doch jetzt richtete er an die Gemeinde Rabenstein ein Ersuchen um finanzielle Hilfe, was diese auch befürwortete.
Schließlich hatte Arthur Peter seine Steuern immer korrekt an die Gemeinde Rabenstein gezahlt. Sie übernahm neben der
Reparatur der ohnehin gemeindeeigenen Pelzmühlenstraße auch die Instandsetzung des Hofes und des von der
Öffentlichkeit genutzten Privatweges über den Teichdamm im Gesamtwert von 1.650,- RM. Vom Regierungspräsidium
Chemnitz wurden auf Antrag 3.000,- RM bewilligt. Aus dem kriegsbedingten Mangel an Material und Personal konnten
aber bis 1940 nur für 2.000,- RM Reparaturen ausgeführt werden. Vieles blieb unerledigt.
Am 6. Februar 1943 wurde die Pelzmühle Teillazarett des Reservelazaretts Rabenstein, das im Bezirkskrankenhaus
Rabenstein eingerichtet worden war. Im Saal, in den Veranden und in der Gaststätte stellte man insgesamt 250 Betten auf
. Da die Kapazität der Küche nicht ausreichte, wurde auf dem Hof zusätzlich eine Gulaschkanone aufgestellt. Das Lazarett
bestand vermutlich bis zur Besetzung Rabensteins durch die amerikanischen Streitkräfte Mitte April 1945.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Arthur Peter starb im September 1946 im Alter von 82 Jahren. Sohn Karl Peter führte das Geschäft mit seiner Ehefrau
Anna weiter.
Die Pelzmühle war zwar von Kriegsschäden verschont geblieben, wie wir aber wissen, konnten die 1939 entstandenen
Hochwasserschäden noch nicht alle beseitigt werden, und an Instandhaltungsmaßnahmen war in der Kriegszeit auch nicht
zu denken. Und jetzt, wo Chemnitz in Schutt und Asche lag, wurden das wenige zur Verfügung stehende Baumaterial und
die noch vorhandenen Arbeitskräfte dringender für Notreparaturen an den Wohngebäuden gebraucht als an der Pelzmühle.
Ausserdem musste Wohnraum für die Menschen geschaffen werden, die ausgebombt oder aus ihrer Heimat vertrieben
worden waren. Auch im Mühlengebäude, dem Wohnhaus der Familie Peter, wurden etwa 25 bis 30 Personen in sechs Räumen des Mansardengeschosses untergebracht, darunter 10 Kinder.
Dennoch bemühten sich Karl und Anna Peter, das Geschäft langsam wieder in Gang zu bringen. Tanzveranstaltungen mit
dem Orchester Herbert Schönherr fanden ab 1946 regelmäßig statt, aber die Gastronomie war wegen der schwierigen
Versorgungslage stark eingeschränkt. Speisen konnten nur gegen Abgabe von Lebensmittelmarken verabreicht werden.
Zwischen Sommer und Herbst 1948 brach ein neues Unheil über die Menschen herein, die in den Wohngebieten wohnten,
die etwa durch die Unritzstraße im Westen und die Kopernikusstraße im Osten sowie durch die Industriebahn Chemnitz -
Küchwald - Wüstenbrand im Norden und die Bahnlinie Chemnitz - Zwickau im Süden begrenzt wurden. Die Offiziere der
Roten Armee durften ihre Frauen nach Deutschland holen, und für diese Familien wurde schnellstens Wohnraum
gebraucht. Bis neue Wohnungen gebaut werden konnten, mussten viele deutsche Familien ihre Häuser verlassen und den
sowjetischen Offiziersfamilien zur Verfügung stellen. Die mittendrin gelegene Pelzmühle wurde als Offiziersklub beschlagnahmt.
Die Zeit als sozialistischer Vergnügungspark
Die Wismutzeit veränderte den ehem. Oneritzgrund grundlegend, ohne Rücksicht auf bestehende Grundstücksgrenzen
wurde das Gelände bis die an Unritzstrasse ausgedehnt. Ein Teil des Teichgeländes wurde vom Neubau des Hauses für
Körperkultur (HfK) mit in Anspruch genommen. Oberhalb auf dem Rabensteiner Mühlweg entstand der Kulturpalast mit
seinen umfassenden Außenanlagen. 1950 wurde die Gärtnerei (in der Innen Kurve der Pelzmühlenstraße, gegenüber dem
alten Saal gelegen) beseitigt und an ihrer Stelle eine Parkanlage mit Pavillon, Pergola und Springbrunnen errichtet. Die
Garagen sowie das große massive Wirtschaftsgebäude mit den Gaststallungen und der Kutscherstube wurden
abgebrochen. Das Motorboot "Pelzmühle" verbrachte man zum Filzteich, nachdem der Platz für das Bootshaus am
Pelzmühlenteich mit in die neu gestaltete Parkanlage einbezogen worden war. Gegenüber der alten, ebenfalls beseitigten
Ruderbootausleihstation und des abgebrochenen Landungssteges für das Motorboot errichtete die SAG Wismut ein neues
, auf Pfählen gegründetes Bootshaus mit einem wasserseitig umlaufenden Steg, der zwei Öffnungen für das Anlegen eines
Motorbootes hatte. Wahrscheinlich erwog man damals noch die Rückführung des kleinen Schiffes vom Filzteich, was aber
nie erfolgte. Das Bootshaus diente im Sommer dem Bootswart als Aufenthaltsraum und im Winter der Einlagerung der Ruder- und Paddelboote.
Auf die Wismutzeit gehen wir in unserem Beitrag zur Geschichte des Kulturpalastes ausführlicher ein.
Das Ehepaar Peter konnte zunächst in seiner Wohnung bleiben und für die Offiziere kochen. Das durften sie zur großen
Zufriedenheit der Russen, bis zum 1. Januar 1954 die SAG Wismut in die SDAG Wismut umgewandelt wurde. Den
deutschen Führungskräften, die jetzt ein Mitspracherecht hatten, gefiel die Anwesenheit der Eheleute Karl und Anna Peter
gar nicht, wohl deshalb, weil ihre Tochter Käthe mit Söhnchen Steffen 1947 ihrem Ehemann, den sie im Lazarett als
Verwundeten kennen gelernt hatte, in seine Heimat ins Ruhrgebiet gefolgt war. Karl und Anna Peter verloren zwar ihre
Arbeit, durften aber zunächst wohnen bleiben. Sie wurden in der Folgezeit massiv unter Enteignungsandrohung zum Verkauf der Pelzmühle gedrängt, dem sie letztlich im Jahre 1961 nachgaben.
Sowie die Neubauten für die russischen Offiziersfamilien an der Kirchhoff- und an der Sterzelstraße, bezugsfertig wurden
konnten die deutschen Familien zwischen Herbst 1957 und Sommer 1958 wieder in ihre Häuser zurückkehren, allerdings
in den meisten Fällen erst nach einer Generalrenovierung. Nach der Fertigstellung des sowjetischen Klubhauses an der
Kirchhoffstraße (Heute „Fritz Theater“) im Herbst 1957 wurde die Pelzmühle als Offiziersklub geschlossen, und der Saal diente der SDAG Wismut als Lagerraum.
Erst 1961 wurde die Gaststätte der Pelzmühle vom HO Wismut Gaststättenbetrieb der Bevölkerung wieder zugänglich gemacht, aber im Frühjahr 1963 wegen erheblicher baulicher
Mängel erneut geschlossen.
In der Folgezeit begann man, wahrscheinlich auch wegen dem seit 1959 in Planung befindlichen Heimattiergartens, mit
der Sanierung des Saales. Unter anderem wurde die ursprüngliche Dachverglasung durch Pressspanplatten ersetzt und der "unschöne" Stuck beseitigt. Der Saal erhielt
ein kaltes Büfett und bot je nach Art der Veranstaltung 200 bis 240 Personen Platz. Die ehemalige Glasveranda am Saal wurde zu einer Tanzbar umgebaut. Im August 1963
genehmigte man "aus hygienischen Gründen" dann auch den Um- und Ausbau der Gaststätte und den Anschluss der Pelzmühle an die Heizungsanlage des Hauses für Körperkultur.
So konnte die Pelzmühle am 1. Mai 1964 noch einen Monat vor der Tierparkeinweihung wieder eröffnen. Im Saal fanden
wieder regelmäßig Tanzveranstaltungen mit dem "Hausorchester" Armin Günther sowie viele andere Veranstaltungen, statt.
Zu Pfingsten 1966 konnte man endlich die neue Selbstbedienungsgaststätte im Garten eröffnen, als Küche diente fortan
die ehemalige Konditorei. Vermutlich zur gleichen Zeit wurde die im Nationalen Aufbauwerk (NAW) errichtete
Freilichtbühne, anlässlich des Pfingsttreffens der FDJ in Karl-Marx-Stadt eingeweiht.
Die alte Pelzmühle am Ende
Die Betreiber vom „Wismut-Handel“ und später HO Gaststätten, waren ständig um den Erhalt
der verbliebenen historischen Bausubstanz bemüht, doch war es in den Zeiten der sozialistischen Mangelwirtschaft einfach nicht möglich die nötigen Bauleistungen durchzuführen
. Anfang der 80er Jahre verschlimmerte sich die Lage zusehens.
Obwohl die Silvesterkarten schon verkauft waren, musste die Gaststätte am 6.Dezember 1983 aus
bautechnischen Gründen gesperrt werden, dies sollte das aus für die traditionsreiche Pelzmühle sein.
Lediglich die Selbstbedienungsgaststätte blieb bis zum Herbst 1990 geöffnet, dann war endgültig Schluss. Das historische
Mühlengebäude war bereits 1988 abgerissen worden.
Im einigen Deutschland
Nach der Wende stellten die Erben der 1961 zu einem Verkauf gezwungenen, ehemaligen Eigentümer einen Antrag auf
Rückübertragung, dem auch stattgegeben wurde. Nach mehreren erfolglosen Anläufen vermeintlicher Investoren, erwarb
schließlich die Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft (GGG), eine Tochter der Stadt Chemnitz das Gelände
.Im Juli und August 1999 ließ die GGG alle restlichen Gebäude mit Ausnahme des Saales, der mit einigem Aufwand noch hätte gerettet werden können, abreißen.
Die neue Pelzmühle
Nach einem begrenzten Architektenwettbewerb, den die GGG 1999 ausgeschrieben hatte, und der den Erhalt des alten
Konzert- und Ballsaales anregte, lagen Anfang 2000 fünf eingereichte Entwürfe vor. Eine Jury (an welcher anscheinend
keine Rabensteiner beteiligt waren) entschied sich für den Entwurf des Chemnitzer Architekten Peter Koch, der nach
einigen Nachbesserungen auch zur Ausführung kam. Wie bekannt ist, wurde der alte Saal leider nicht mit einbezogen,
sodass nach dessen Abriss im März 2001 am 18. April 2001 der Grundstein für die neue Pelzmühle gelegt werden konnte.
Am 7. August desselben Jahres fand das Richtfest und am 14. Dezember 2001 eine Teileröffnung statt. Zunächst konnte
der Pächter Uwe Münch seinen Gästen die 80 Plätze im Restaurant und die 40 Plätze im Gesellschaftsraum anbieten. Am
17. Januar 2002 folgte die Inbetriebnahme der Selbstbedienungsgaststätte mit 100 Plätzen. Zu Himmelfahrt, am 9. Mai
2002, konnte auch die Freiterrasse, die 140 Gästen einen Sitzplatz bietet, ihrer Bestimmung übergeben werden.
So ist von der einst traditionsreichen Ausflugsgaststätte Pelzmühle mit ihrem vom
Tageslicht durchfluteten Saal, der eigenen Konditorei sowie ihrem weitläufigen, parkartigen und schattigen Gärten, mit ihren Terrassen und den zahlreichen Blumenbeeten, Rabatten,
Wasserspielen und Spiel- Attraktionen letztendlich nur eine postmoderne Gaststätte, die den Namen "Pelzmühle" in Erinnerung hält übrig geblieben. Nicht einmal der Gondelbetrieb hat
überlebt.
Bleibt zu hoffen das dieses Schicksal dem Kulturpalast erspart bleibt.
Der Tierpark
Eine weit positivere Entwicklung hat der 1964 als Heimattiergarten gegründete Tierpark genommen.
Im Vorkriegs-Chemnitz gab es bereits einen Zoo in der Nähe des Hauptbahnhofes, welcher sich großer Beliebtheit erfreute
zumal seinerzeit den Menschen oft das Geld fehlte nach Leipzig oder Dresden zu reisen. Dieser wenn auch kleine
Tiergarten hatte sogar so beeindruckende Attraktionen wie Elefanten und Seelöwen zu bieten.
Doch nun war es Ende der 50er Jahre und auch die Menschen im Osten spürten so etwas wie ein kleines
Wirtschaftswunder, die schlimmste Nachkriegszeit war überwunden und es ging bergauf. So keimte auch, in der nun ganz
sozialistisch zu Karl-Marx-Stadt umdeklarierten Stadt der erneute Wunsch nach einem Zoo auf. Doch weshalb kam man
da auf das Pelzmühlengelände? Eigentlich war dieses ja für einen Tierpark ziemlich beengt und hatte durch die
anschließenden Industriebetriebe auf siegmarer Seite kaum die Chance einer Erweiterung. Zudem gab es in jenen Jahren,
durch die Zerstörungen des Krieges, noch riesige innenstadtnahe Freiflächen welche sich auch wieder für einen Stadtzoo
geeignet hätten. Das der „Petersche Vergnügungspark“ einst bereits einen Affenpavillon besaß kann kaum der Grund für
die Entscheidung zur Pelzmühle gewesen sein. Dies läst sich heute nur mit der Nähe zum Kulturpark um den Kulturpalast
erklären, das man faktisch mit dem Tierpark das von der Wismut geschaffene Erholungsgebiet erweitern wollte.
Die damalige Beengtheit im Pelzmühlengelände, wie auch die persönliche Profilierungssucht einiger Funktionäre führte
dazu das die Stadt heute mit Tierpark, Wildgatter, und Schulbiologiezentrum nebst Botanischen Garten, defakto drei
tiergärtnerische Einrichtungen betreibt. Diese Splittung wirkte sich sicher nicht zum Vorteil für den eigentlichen Tierpark aus.
Eröffnung des Heimattiergartens
Am 31.5.1964 öffnete unser Heimattiergarten an der Pelzmühle seine Pforten. Die ersten Bewohner waren Rehe, Fasane
und Zwergziegen. Aber auch ein Paar Rhesusaffen erfreuten vor allem die Kinder wieder mit ihren Kletterkunststücken.
Im Jahre 1969 wird die Station für Reittouristik eröffnet. Da zu dieser Zeit kaum anderen Möglichkeiten für Hobbyreiter
bestanden, gab es stets lange Wartelisten. Im Umfeld der Reiterei kam es dann wohl auch zu einigen Ungereimtheiten,
welche schließlich ein Grund für den Wechsel an der Spitze gewesen sein sollen.
Auf dem Weg zum Tierpark
Georg Schäfer wird 1971Tierparkleiter, er versuchte durch eine Spezialisierung auf die Tierwelt der Sowjetunion den engen
Rahmen des "Heimattiergartens" zu sprengen. Für einen Ausbau zum Zoo mit Internationaler Tierwelt hätte er kaum die
nötigen Mittel bekommen, doch gegen die Fauna des „großen Bruders“ wagte kein Genosse offen zu mosern.
Yaks, Kamele, Tiger, Leoparden, Urwildpferde und Kulane sorgten fortan für höhere Attraktivität und steigende
Besucherzahlen. 1973 wird die Bärenanlage eingeweiht, und 1979 kommt ein Ponystall mit Huftiergehege hinzu.
Mit über 400000 Besuchern wird der Tierpark die meist besuchte Freizeiteinrichtung der Stadt Karl-Marx-Stadt. Der
Eintrittspreis betrug damals 50Pfennige für Erwachsene und 30Pfennige für Kinder von 3- 14 Jahre.
Mitte der 80er Jahre leben ca. 820 Tiere aus 145 Arten im Tierpark an der Pelzmühle, die Reittouristik erlebt mit 4500
Gästen auf den 8 Reitpferden des Tierparks ihren Höhepunkt. Unter den Hobbyreitern gab es auch damals schon so einige
für die das Image des Reitens einen höheren Stellenwert, als die Liebe zum Pferdesport hatte. Da der Platz auf dem
Tierparkgelände jener Zeit nahezu ausgeschöpft war entstand ein Reitplatz mit Reithalle, auf dem jetzigen Parkplatz an der
Unritzstraße. Da sich die Zeltwände der Halle für die schreckhaften Tiere allerdings als ungeeignet erwiesen hatte die Anlage nicht allzu lange Bestand.
Unter dem harten Winter 86- 87 hatte der Tierpark besonders zu leiden. Am Kamelhaus wurden -30 Grad gemessen. Nicht
nur die Tiere litten unter der Kälte auch das Personal hatte in der schweren Wattekleidung mir gefrorenen Wasserleitungen und Futtermitteln zu kämpfen.
Der Spielplatz vor dem Tierparkeingang welcher einst auch Teil des Pelzmühlenparks war, wird 1988 neu Gestaltet übergeben.
Die Nachwendezeit
Nach der Wiedervereinigung geriet der Tierpark mit seinen etwa 750 Tieren in 125 Arten in einen bedenklichen
Schwebezustand. Er wurde unglücklicher Weise dem Fremdenverkehrs- und Werbeamt zugeordnet, diesem fehlten die
notwendigen Sachkenntnisse und die finanzielle Basis. Dieser Zustand führte dazu das die Tiere nicht mehr artgerecht
versorgt werden konnten. Es kam zu unkontrollierten Einkreuzungen und Ernährungsmängeln.
Dr. Müller „zieht die Karre aus dem Dreck“
Ein besonders glücklicher Umstand beendete das Debakel. Am 1.Juni 1992 übernahm der Zoologe und Tierarzt Dr. Claus
Müller, ein gebürtiger Rabensteiner, die Leitung des Tierparks Chemnitz. Dr. Müller hatte sich über mehrere Jahrzehnte
umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen bei der Wildtierhaltung, sowie beim Aufbau zoologischer Gärten auf fünf
Kontinenten erworben, zuletzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er konnte die bestehenden Mängel schnell
beseitigen und den Tierpark weiterentwickeln. Dazu gehörte auch ein veränderter Tierbestand. Die Haltung von Haustieren
wurde zugunsten attraktiverer Tierarten reduziert. Dazu erschloss Dr. Müller alle sich bietenden „Fördertöpfe“. Sein erstes
Bestreben war die Umstellung auf eine artgerechte Tierhaltung entsprechend der Richtlinien der Europäischen Vereinigung
der Zoologischen Gärten und Aquarien (EAZA), in die der Chemnitzer Tierpark aufgenommen wurde. Das bedeutete eine
enorme Aufwertung unseres Tierparks. Dr. Müller wurde Mitglied des Verbandes deutscher Zoodirektoren (VdZ).
1993 rettete Dr. Müller nach einem Hilferuf des Landratsamtes Suhl in einer
Blitzaktion die bedeutungsvolle Sammlung lebender Amphibien des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, indem er die durch die Wirren der
Wende gefährdete und bereits bis auf 259 Tiere dezimierte Sammlung nach Chemnitz holte. Dazu ließ er ab Sommer 1993 ein vorhandenes ehemaliges
Wirtschaftsgebäude zu einem Vivarium mit 130m² Ausstellungsfläche und 55 Terrarien umbauen. Im Juni 1996 konnte es mit etwa 1600 Amphibien eröffnet werden
und stellt seitdem eine für Europa einmalige Einrichtung dar. Hier kann man zum Beispiel die seltenen Baumseglerfrösche, Tomatenfrösche, Goldfröschchen,
Chinesische Riesensalamander, und Axolotis sehen.
Da die angrenzenden, maroden Industriebetriebe die Wende weniger gut als der Tierpark überstanden, konnte das Gelände
durch Zukauf auf 8,5 ha erweitert werden. Der Tierbestand wuchs bis 1994 auf 1183 Tiere in 172 Arten. wobei sich der
Tierpark jetzt mehr und mehr auf die Haltung und Zucht vom Aussterben bedrohter Arten spezialisiert.
Die bei den Chemnitzer beliebten Tierparkfeste wurden nun auch wiederbelebt. Auch die interessanten Nachtführungen
welche es zu Schäfers Zeiten schon mal gab, werden wieder angeboten.
Seit 1995 gehört auch das Wildgatter in Oberrabenstein zum Tierpark
Seit dem Tierparkfest 1997 bereichert ein neues Zebrahaus die Anlage. Im selben Jahr konnte der
Tierpark noch einmal um ca. 1,5ha auf eine Größe von 10ha erweitert werden. Dies ermöglichte sowohl den Bau einer Tierparkschule, als auch den Bau einer Papageienanlage, und einer Fasanerie.
Außerdem gelangte auf diese Weise der Tierpark in Besitz des Kultur -und Speisesaales der
ehemaligen Elite Diamantwerke. Hier wo einst die Arbeiter speisten und regelmäßig Kultur- und Jugendtanzveranstaltungen stattfanden, sollte nun so der Plan ein Tropenparadies entstehen.
Dr. Will übernimmt das Ruder
Am 1.Juli 2000 löste Tierarzt Dr. Hermann Will,
Dr. Claus Müller, der wegen erreichen des Rentenalters ausscheiden musste als Tierparkdirektor ab. Seither führt Dr. Will
die von seinem Vorgänger begonnene Umgestaltung des Tierparks fort. Es wurden zahlreiche Anlagen neu gestaltet, neu
errichtet, bzw. erweitert. So konnte im Februar 2002 auch das 3,7Milionen Euro teure und 1320m² große Tropenhaus eröffnet werden. Es beherbergt einen tropischen Urwald in welchem u.a.
verschiedene Vogelarten, Zwergflusspferde, und Geoffroyklammeraffen leben.
Im Oktober 1998 konnte die Tierparkschule übergeben werden. Hier unterrichten drei
Lehrer die den theoretischen Biologieunterricht mit praktischen Tierbeobachtungen verbinden können.
Mit dem Einzug des jungen Angola Löwen Malik im Mai 2005 bekam der Tierpark
einen echten Publikumsmagneten. Malik ist im Leipziger Zoo geboren worden, seine Aufzucht wurde in der Fernsehsendung Elefant, Tiger & Co ausführlich dokumentiert. Nach dem Tod der letzten Grizzlybärin stand die
relativ neue Bärenanlage einige Zeit leer, bis im Februar 2007 zwei Lippenbärendamen aus dem Leipziger Zoo dort einzogen. Der Tierpark unterstützt damit das europäische
Zuchtprogramm für diese stark bedrohte Tierart.
Der Umgang mit Wildtieren ist keinesfalls gefahrlos so zerfleischte Anfang der 70er Jahre
ein Bär seine Pflegerin, und auch in jüngster Vergangenheit ereigneten sich leider zwei schwere Unfälle mit Raubtieren. Im
Januar 2004 verletzte ein Löwe eine 33-jährige Tierpflegerin und am 11. November 2006 tötete ein Leopard eine 23-jährige Tierpflegerin.
Der Tierpark nimmt an über 20 Zuchtprogrammen teil. Besonders erwähnenswert: Die Prinz-Alfred-Hirsche von den
Philippinen in Partnerschaft mit der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz. Auch mit den
Nachzuchten bei Kulanen, Przewalskipferden und Somali-Wildeseln trägt der Tierpark zur Erhaltung bedrohter Tierarten bei und ist Mitglied der Stiftung Artenschutz.
Betrachtet man welche beachtliche Entwicklung unser Tierpark trotz aller Schwierigkeiten und Wirren, seit seiner
Gründung genommen hat, so kann man riesige Fortschritte bei der artgerechten Tierhaltung und bei der Erhöhung der Attraktivität dieser Einrichtung auch für die Besucher erkennen.
Heute leben rund 1000 Tiere in 182 Arten (ohne Wildgatter) im Tierpark. Natürlich bringen diese positiven Veränderungen,
die gewachsene Anlage und gestiegene Löhne höhere Kosten mit sich. Zoologische Gärten sind selten die Lieblingskinder
der Stadtkämmerer, weil sie kaum irgendwo ohne Zuschüsse, Spenden und Fördermittel leben können. Wenn diese Mittel
den Bedarf nicht decken können müssen auch die Besucher mit höheren Eintrittsgelder ihren Beitrag leisten. Die Rendite
eines Zoos liegt nicht im Gewinn sondern in der Volksbildung und vor allem der Arterhaltung, was für kommende Generationen einen unermesslichen Wert darstellt.
Bleibt zu hoffen das sich die positive Entwicklung des Tierparks fortsetzt und sich künftig auf das umgebende
Erholungsgebiet überträgt.
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